Laktoseintoleranz

Artikel aktualisiert am 12.11.2019

Laktoseintoleranz

Laktoseintoleranz ist eine der häufigst auftretenden Unverträglichkeiten

Bei einer Laktoseintoleranz verträgt die betroffene Person keinen Milchzucker (Laktose), da dieser im Dünndarm nicht entsprechend aufgespalten und verdaut werden kann.

Unangenehme Symptome im Magen-Darm-Bereich und weitere Beschwerden sowie unspezifische Symptome sind die unweigerliche Folge.

In diesem Artikel erfährst du Wissenswertes zum Thema Laktoseintoleranz, deren Symptome, Feststellung, Behandlung und erhältst Informationen zur richtigen Ernährung.

Symptome einer Laktoseintoleranz

Im Dünndarm ist ein spezielles Enzym am Werk: die Laktase! Sie sorgt dafür, dass Milchzucker in seine beiden Bestandteile zerlegt wird (Glucose und Galactose). Erst dann kann der Körper die nun gespaltene Laktose verwerten, indem die Bestandteile zur Leber transportiert werden und dem Körper der Energiegewinnung dienen.

Beinhaltet die Schleimhaut des Dünndarmes jedoch nicht ausreichend Laktase, bleibt der Spaltungsprozess aus.

Der Milchzucker landet unverdaut im Dickdarm. Hier wird er von Bakterien zersetzt, was zu Gärungsprozessen führt. In weiterer Folge entstehen große Mengen an Methan, Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid.

Zu allem Überfluss bindet Laktose Wasser, wodurch es zu verstärkter Wasseransammlung im Dickdarm kommt.

All diese Prozesse sorgen für typische Anzeichen, die üblicherweise bereits kurze Zeit nach dem Genuss milchzuckerhaltiger Lebensmittel auftreten:

  • Blähbauch und Blähungen
  • Völlegefühl
  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall oder auch Verstopfung
  • Hörbare Darmgeräusche
  • Unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel oder nächtliches Schwitzen

Bauchschmerzen

Bauchschmerzen können unterschiedlich gelagert sein und quälende Ausmaße annehmen. Dumpf, brennend, stechend oder drückend, schaffen sie es durchaus, das Allgemeinbefinden deutlich zu beeinträchtigen. Ob mittig, oben oder unten lokalisiert – unangenehm werden sie an jeder Stelle des Magen-Darm-Trakts empfunden.

In manchen Fällen nehmen sie gar einen krampfartigen Verlauf. Ursächlich sind im Zusammenhang mit Laktoseintoleranz meist Gasansammlungen, die schwer entweichen können. Dies macht sich durch deutliches Schmerzaufkommen bemerkbar.

Blähungen und Blähbauch

Niemand spricht gerne darüber, doch gerade bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie einer Laktoseintoleranz stehen sie ganz oben auf der Beschwerdeliste: Darmwinde!

Aufgrund fehlender Aktivität des Enzyms Laktase (siehe auch: Laktase-Präparate – sinnvoll bei Laktoseintoleranz?), wird Milchzucker unverdaut in den Dickdarm transportiert und dort von Bakterien zersetzt. Hierbei entstehen ungewöhnlich große Mengen an Gas.

Nachdem diese auf irgendeine Art und Weise entweichen müssen, neigen Betroffene zu starken Blähungen (Flatulenz).

Grundsätzlich entsteht beim Verdauungsvorgang immer Gas und dessen Entweichen ist nichts Ungewöhnliches. In der Regel bemerkt man daher recht deutlich, wann die Angelegenheit gesundheitlich bedenkliche Züge annimmt.

Leider ist gerade diese Symptomatik mit einem gewissen gesellschaftlichen Tabu verbunden, was dazu führt, dass sie nicht selten selbst im Anamnesegespräch verheimlicht wird. Auch versuchen Betroffene vermehrt, Blähungen zurückzuhalten. Schmerzhafte Dehnungen im Darmbereich sind die Folge, der wohlbekannte Blähbauch (Meteorismus).

Völlegefühl

Oft gehen sie Hand in Hand: Blähungen bzw. Blähbauch und ein unangenehmes Völlegefühl! Der Magen-Darm-Trakt wird als übervoll und drückend empfunden. Das äußert sich häufig in Überdehnung und Vorwölben des Bauchbereichs.

Bei Überlastung des Verdauungssystems durch zu üppige Mahlzeiten (vor allem fett- und zuckerlastig) kommt dies durchaus vor, ist also nichts Unbekanntes. Auch in Bezug auf hormonelle Schwankungen (PMS, Wechseljahre) ist Völlegefühl nicht ungewöhnlich.

Tritt es jedoch wiederholt und dabei scheinbar völlig ohne Grund (keine üppigen, fetthaltigen Mahlzeiten oder hormonellen Beschwerden) auf, sollte man der Sache auf den Grund gehen.

Es empfiehlt sich hier, den Speiseplan im Hinblick auf laktosehaltige Lebensmittel in den Fokus zu stellen.

Hörbare Darmgeräusche

Darmgeräusche sind stets vorhanden, da Verdauung ein laufender Prozess ist.

Durch Bewegung von Darm (Peristaltik) und Darminhalt kommt es zu vernehmbaren Geräuschen. Jeder kennt diese glucksende Geräuschkulisse bzw. deutliches Magenknurren bei Hunger.

Geht die Intensität dieser Geräusche über ein Normalmaß hinaus, spricht man von einem pathologischen Befund.

Der Arzt kann der Sache durch gezielten Druck im Bauchraum mit dem Stethoskop auf den Grund gehen. Gerade bei Lebensmittelintoleranzen kommt es häufig zu dauerhaft lauten Geräuschen durch die vermehrte Darmaktivität. Im Fachjargon spricht man dann von Borborygmi.

Übelkeit und Erbrechen

Übelkeit (Nausea) und Erbrechen (Emesis) sind Symptome, die unterschiedlichste Ursachen haben können. Als einmaliges Ereignis bei verdorbenem Magen oder Lebensmittelvergiftung sowie beschränkt auf einen bestimmten Zeitraum bei Infekten oder Schwangerschaft, sind sie bekannt. So mancher reagiert auch auf Aufregung, Ekel sowie Angstzustände mit Übelkeit und Erbrechen.

Übelkeit macht sich meist als unangenehmes Gefühl im Oberbauch bemerkbar, häufig begleitet von Appetitverlust, vermehrtem Speichelfluss und Brechreiz.

Die Bandbreite reicht von einem leicht drückenden Gefühl bis hin zu einer deutlichen Einschränkung des Allgemeinbefindens. Beide Symptomatiken, Übelkeit sowie Erbrechen, werden durch das sogenannte Brechzentrum im Gehirn gesteuert.

Treten unangenehme Beschwerden in Form von Übelkeit und Erbrechen vermehrt nach Genuss milchzuckerhaltiger Produkte auf, solltest Du dem also unbedingt nachgehen.

Durchfall und Verstopfung

Durchfall kann, ebenso wie der gegenteilige Prozess (Verstopfung), Anzeichen für eine bestehende Laktoseintoleranz sein.

Wie bereits beschrieben, entstehen bei der Zersetzung von Laktose durch Darmbakterien große Mengen Gas (Kohlendioxid, Wasserstoff und Methan) im Dickdarm.

Der Körper hat hier seinen eigenen Regulationsmechanismus und leitet vermehrt Wasser in den Darm ein.

Die Folge sind Durchfälle, die durchaus auch bereits fünfzehn Minuten nach Genuss milchzuckerhaltiger Lebensmittel auftreten können.

Manchmal liegen aber auch Stunden oder gar ein ganzer Tag dazwischen, wodurch der Verdacht einer Milchzuckerunverträglichkeit nicht sofort entsteht.

Generell sollten bei Auftreten ungewöhnlicher Durchfälle immer auch Überlegungen in Bezug auf Lebensmittelunverträglichkeiten angestellt werden.  

Eher seltener reagieren Betroffene mit Verstopfung. Dies geschieht in der Regel dann, wenn im Darm sehr große Mengen Methan produziert werden, da diese die Darmbewegung stark drosseln.

Unspezifische Symptome

Bei einer Laktoseintoleranz kann es auch zu einer unspezifischen Symptomatik fernab des Magen-Darm-Bereichs kommen. Fehlen Beschwerden im Verdauungstrakt, fällt es deutlich schwerer, den Zusammenhang zu einer Lebensmittelintoleranz festzustellen. Diese bleiben dann nicht selten unerkannt.

Unspezifische Anzeichen für eine Milchzuckerunverträglichkeit können Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel oder auch nächtliches Schwitzen sein.

Die tatsächliche Ursache ist nicht zweifelsfrei geklärt, es ist allerdings anzunehmen, dass durch Zersetzung von Laktose entstehende Abfallprodukte entsprechend negativ im Blutkreislauf wirken.

Häufigkeit
Eine Milchzuckerunverträglichkeit ist in vielen Teilen der Erde völlig normal. Annäherungsweise 65 % der Weltbevölkerung[1] ist nach dem Kindesalter davon betroffen. Grundsätzlich ist der Mensch genetisch nämlich so ausgestattet, dass eine Zersetzung von Laktose im Darm nur bei Babys und Kleinkindern bestens funktioniert. Schließlich müssen sie (Mutter-)Milch verdauen. Nach diesen ersten Jahren wird keine/kaum mehr Laktase im Dünndarm gebildet. In Deutschland sind laut Experten 15 % der Erwachsenen in Deutschland laktoseintolerant[2].

In (westlichen) Gebieten, in denen es zu übermäßigem Verzehr artfremder Milch kommt, hat sich die Genetik angepasst. Daher gilt in unseren Breitengraden eine Unverträglichkeit von Milchzucker als Erkrankung.

Die statistische Wahrscheinlichkeit an einer Laktoseintoleranz zu leiden steigt, je südlicher die Heimatregion gelegen ist.

In Asien und Afrika ist mit über 90 % der Großteil der erwachsenen Bevölkerung von einer Milchzucker-Unverträglichkeit betroffen[3]. In diesen Teilen der Welt ist die Laktoseunverträglichkeit also ein absolut natürliches Phänomen. Keine Rede von Krankheitswert!

Forschungen belegen: Es war nicht vorgesehen, dass der Mensch über das Säuglings- und Kleinkindalter hinaus Milch zu sich nimmt. Der menschliche Körper benötigt keine Kuhmilch und Erzeugnisse wie laktosehaltigen Käse.

Das Auftreten einer Laktoseunverträglichkeit wird meist von (entzündlichen) Veränderungen der Schleimhaut im Dünndarm verursacht (zum Beispiel durch Infektion mit Viren, Bakterien oder Pilzen; Einnahme eines Antibiotikums; chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa).

In Folge kommt es zu verminderter oder ausbleibender Bildung von Laktase, wodurch Milchzucker nicht mehr verdaut werden kann.

Laktoseintoleranz testen

Eine Unverträglichkeit gegen Milchzucker ist wie andere Lebensmittelunverträglichkeiten recht einfach festzustellen. Dafür gibt es mehrere Testmöglichkeiten. Häufig haben Betroffene ohnehin schon einen Verdacht, da die Symptome meist unmittelbar nach Verzehr laktosehaltiger Lebensmittel auftreten.

Laktoseintoleranz-Selbsttest

Dieser Test kann von Laien in den eigenen vier Wänden rasch und unkompliziert durchgeführt werden, ist allerdings aufgrund der recht hohen Fehlerquote als alleiniges Diagnoseinstrument nicht anzuraten. Hinweise auf eine mögliche Laktoseintoleranz gibt er durchaus, jedoch sollte die schlussendliche Bestätigung durch einen Arzt erfolgen.

Eine strikt eingehaltene Karenz, in der auf sämtliche laktosehaltige Produkte verzichtet wird, kann Aufschluss über eine mögliche Intoleranz geben, sofern bisherige Symptome zurückgehen beziehungsweise ausbleiben.

Zu bedenken ist hier, dass Fehleranfälligkeit dadurch gegeben ist, dass es (vor allem zu Beginn) nicht ganz einfach ist, laktosehaltige Produkte vollständig vom Speiseplan zu streichen. Milchzucker ist nämlich vielen Lebensmitteln zugesetzt, bei denen man es auf den ersten Blick nicht vermuten würde (Wurst, Fertigprodukte, …).

Nun kommt in Wasser aufgelöste Laktose ins Spiel.

Unter dem Namen Exposition erhält man Milchzucker in Apotheken und gut sortierten Drogerien (daher wird der Selbsttest auch als „Expositions-Test“ bezeichnet). Kommen nach dem Trinken der Lösung unangenehme Symptome neuerlich zum Vorschein, scheint die Sache klar zu sein.

Laktoseintoleranz: ärztliche Testverfahren

Will man ganz sichergehen, lässt man eine mögliche Milchzuckerunverträglichkeit ärztlich befinden. Eine Reihe von Diagnoseverfahren steht hier zur Verfügung. Am bekanntesten ist wohl der Wasserstoffatemtest (H2-Atemtest), aber auch Blutzuckertest oder Dünndarmbiopsie können Klarheit verschaffen. In manchen Fällen kommt gar ein Gentest zur Anwendung.

Wasserstoffatemtest (H2-Atemtest)

Diese Testung gilt als Mittel der Wahl zur Diagnose einer Milchzuckerunverträglichkeit. Bei einer Intoleranz ist das Enzym Laktase im Dünndarm zu spärlich vorhanden beziehungsweise inaktiv, was dazu führt, dass Laktose unzureichend in seine Bestandteile Glukose und Galaktose aufgespalten wird. Stattdessen landet sie unverdaut im Dickdarm.

Hier kommt es zu Zersetzungsprozessen durch Bakterien, bei denen untypisch hohe Mengen Wasserstoff entstehen. Diese landen im Blutkreislauf und werden schließlich über die Atemluft abgegeben.

Eine ungewöhnlich hohe Konzentration Wasserstoff im Atem kann demnach eine Laktoseintoleranz belegen.

Beim etwa zwei bis vier Stunden dauernden Test wird zunächst mit Hilfe eines Messgerätes zum Hineinblasen der Nüchternwert von Wasserstoff in der Atemluft ermittelt. Nach Gabe einer Laktose-Lösung werden in regelmäßigen Abständen weitere Messungen durchgeführt.

Ein entsprechender Anstieg von Wasserstoff (über 20 parts per million auf der Messskala[4]) bestätigt schließlich die Milchzuckerunverträglichkeit. Parallel dazu werden auftretende Symptome beobachtet und notiert.

Durch die Testung ausgelöste Symptome können zwar unangenehm sein, sind allerdings nicht weiter besorgniserregend.

Als Vorbereitung auf/Voraussetzung für den Test ist Folgendes zu beherzigen:

  • Keine Einnahme von Antibiotika und keine Darmspiegelung vier Wochen vor Testung
  • Am Vortag sollte ab den Abendstunden nichts mehr gegessen und nur noch Leitungswasser getrunken werden; blähendes Gemüse, Rohkost und Vollkorn müssen auch davor weggelassen werden
  • Kein Rauchen und Kaugummi kauen etwa zwölf Stunden vor Testung
  • Zur Untersuchung selbst muss man selbstverständlich nüchtern erscheinen

Laktose-Toleranztest

Beim Laktose-Toleranztest macht man es sich zunutze, dass nach Genuss laktosehaltiger Produkte  durch die Spaltung des Milchzuckers üblicherweise der Glukosewert im Blut ansteigt.

Kommt es durch die Unverträglichkeit zu Einbußen in der Spaltung von Laktose in Glukose und Galaktose, erkennt man das im Blut: Der Glukosespiegel steigt nach Genuss von Laktose nicht deutlich an.

Ähnlich wie beim H2-Atemtest, verabreicht man dem Patienten eine laktosehaltige Lösung. Danach wird über zwei Stunden lang in regelmäßigen Abständen Blut entnommen und der Anstieg des Glukose-Wertes beobachtet.

Kommt es zu keinem Anstieg über 10 mg/dl[5], belegt das die Laktoseintoleranz (normalerweise steigt der Spiegel um über 20 mg/dl).

Der Laktose-Toleranztest kann zwar alternativ zum H2-Atemtest angewendet werden, liefert aber im Vergleich ungenauere Ergebnisse. Manchmal werden beide Testarten kombiniert.

Dünndarmbiopsie

Hierzu wird eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm entnommen. Im Labor untersucht man, wie es um den Aktivitätsgrad des Enzyms Laktase bestellt ist.

Zwar ist diese Methode sehr effektiv, weil sie genaue Ergebnisse liefert, genutzt wird sie jedoch kaum, da sie zu invasiv ist. Sinnvoll ist sie natürlich dort, wo es ohnehin zu einer Biopsie kommt. Darüber hinaus wird sie vorwiegend zur Klärung wissenschaftlicher Fragestellungen, weniger zur Diagnose selbst eingesetzt.

Gentest

Den generellen Verdacht einer Laktoseintoleranz durch einen Gentest zu bestätigen, ist nicht unbedingt sinnvoll, da dieser die Milchzuckerunverträglichkeit nur dann belegt, wenn sie genetisch bedingt ist.

Angezeigt ist eine genetische Abklärung dort, wo die generelle Laktoseintoleranz bereits befundet ist (zum Beispiel durch einen H2-Atemtest oder Laktose-Toleranztest) und es um eine Abklärung der Ursache geht.

Buchempfehlungen

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Laktoseintoleranz bei Babys

In seltensten Fällen wird aufgrund eines Gendefekts Laktase nicht oder unzureichend ausgebildet (angeborene Milchzuckerunverträglichkeit), Symptome treten dann sofort und heftig auf. Diese Form der Unverträglichkeit ist nicht heilbar und wird üblicherweise mit Hilfe eines Gentests diagnostiziert.

Auch eine erworbene Milchzuckerunverträglichkeit ist bei Babys zwar eher selten, doch sie kommt vor.

Übergangsweise tritt sie beispielsweise bei zu früh geborenen Kindern auf, weil der Dünndarm noch nicht entsprechend ausgereift ist, um genügend Laktase zu bilden.

Auch nach schweren entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen mit Auswirkungen auf die Schleimhaut des Dünndarmes kann es bei Babys und Kindern kurzzeitig zu verminderter Laktasebildung kommen. Symptome einer Unverträglichkeit treten auf.

Die Symptomatik ist recht ähnlich jener erwachsener Betroffener, trotzdem sind einige Besonderheiten beziehungsweise Abweichungen zu beachten:

Grundsätzliches Beschwerdebild:

  • Unwohlsein, Völlegefühl
  • Bauchschmerzen, Blähbauch, Blähungen
  • Durchfälle, Übelkeit/Erbrechen

Besonderheiten in der Symptomatik bei Säuglingen/Kindern:

  • Unruhe, Blässe, Konzentrationsabfall
  • Anhaltendes Schreien, scheinbar ohne Grund
  • Verweigerung der Nahrungsaufnahme
  • Gedeihstörungen

Werden entsprechende Symptome beim Kind beobachtet, sollte unverzüglich der Kinderarzt konsultiert werden. Bei Kindern, die älter als 10 Jahre sind, ist eine Laktoseintoleranz bei wiederkehrenden Bauchschmerzen die zweithäufigste Ursache[6].

Grundsätzlich gilt:
Je jünger das Kind ist, desto schwieriger gestaltet sich die Diagnosestellung, da übliche Testverfahren nicht bzw. kaum angewendet werden können. In vielen Fällen erfolgt die Diagnose überhaupt nur anhand der beobachteten Symptome nach der Aufnahme von Milch bzw. Milchprodukten.

Im Hinblick auf die Symptomatik muss ergänzt werden, dass es gerade bei Säuglingen zu heftigem Schreien während und nach dem Trinken kommt. Bei anhaltendem Durchfall (häufig verbunden mit der Weigerung der Nahrungsaufnahme) ist das Risiko von Austrocknung und Gedeihstörungen besonders hoch.

Liegt tatsächlich eine Laktoseintoleranz vor, bewirkt der Umstieg auf laktosefreie Nahrung (Spezialnahrung auf Basis von Sojaprotein) rasche Besserung. Nicht selten gibt sich das Problem im Laufe des ersten Lebensjahres von selbst und der kindliche Dünndarm bildet entsprechend Laktase.

Ist das nicht der Fall, muss beim Übergang von Milchkost auf Beikost auf entsprechende Ernährung geachtet werden. Bei so manchen Produkten (Brei, Babykekse etc.) ist Vorsicht geboten, weil Milchzucker zugesetzt ist.

Behandlung und Ernährungsumstellung

Auch eine Behandlung bei Laktoseintoleranz sollte ganzheitlich stattfinden.

Merke: Im Prinzip geht es darum, auf laktosehaltige Lebensmittel zu verzichten (Ernährung umstellen) sowie den Darm gegebenenfalls bei der Regeneration zu unterstützen. Auch eine Einnahme von Laktase-Tabletten ist möglich (im individuellen Fall, zum Beispiel vor unumgänglichen Festessen, auf Reisen o.ä.).

Hier wird das Enzym Laktase (das Laktose im Dünndarm aufspaltet) zugeführt und die Symptomatik beim Milchzuckergenuss dadurch kleingehalten.

Karenzphase

Gleich nach Diagnosestellung ist es sinnvoll, eine Karenzphase von einigen Wochen Dauer einzuleiten. Hier wird für einen Zeitraum von 2-4 Wochen konsequent auf jeglichen Milchzucker verzichtet, um dem Magen-Darm-Trakt eine Auszeit zu gönnen.

Hinterher kann – im Rahmen anfänglicher Schonkost – das individuelle Maß an Laktose ermittelt werden, das vertragen wird. Bei manchen Betroffenen sind das kleine Mengen, wieder andere vertragen Milchzucker so gut wie gar nicht.

Richtige Ernährung

Allgemein gilt:

  • Milchprodukte werden meist nicht vertragen
  • Soja- oder Kokosmilch können als Ersatz dienen
  • Kartoffeln, Gemüse, Obst, Fleisch, Fische, Eier und Fette sind fast laktosefrei
  • viele Brotsorten enthalten Milch, Milchpulver oder Sahne
  • Süßigkeiten wie Milchschokolade, Pralinen, Bonbons, Schokoladeriegel und Eiscreme sind laktosehaltig
  • das gleiche gilt für viele Fertigprodukte wie Kartoffelpüree, Saucen & Suppen

Käse bei Laktoseintoleranz

Leider lassen sich – nicht nur – Betroffene von dem Irrglauben leiten, dass sämtliche Milchprodukte wohl automatisch entsprechend hohe Mengen Laktose enthalten müssen.

Viel zu rasch werden in Folge beliebte Nahrungsmittel wie Butter oder unterschiedliche Käsesorte auf die schwarze Liste gesetzt. Solche Erzeugnisse gönnt man sich dann allenfalls als teure Spezialprodukte mit dem Zusatz „laktosefrei“. Nicht immer aber ist das notwendig!

Klassisches Beispiel für einen solchen Irrglauben ist Käse.

Der Grund, weshalb unterschiedliche Milchprodukte auf das Verdauungssystem unterschiedlich wirken? Je länger sie reifen, desto geringer ist ihr Anteil an Milchzucker. Mit zunehmender Reifungsdauer wird Laktose nämlich abgebaut (und so beispielsweise in Milchsäure umgewandelt).

Das erklärt, weshalb Vollmilch bei bestehender Laktoseintoleranz besonders schwere Symptome auslösen kann, während lange gereifte Käsesorten gut vertragen werden. Während bei ersterer der Milchzuckeranteil nämlich ganz besonders hoch ist, ist er bei Käsesorten mit langer Reifungsdauer praktisch nicht mehr vorhanden.

Laktosefreier Spezialkäse ist meist überflüssig

Das macht deutlich, dass nicht alle laktosefreien Spezialprodukte, wie man sie im Supermarkt findet, auch wirklich notwendig sind.

Wichtig ist, dass man als Betroffener Wissen darüber gewinnt, welche Milchprodukte grundsätzlich vermieden oder durch laktosefreie Produkte ersetzt werden sollten und welche demgegenüber ohne Bedenken auf den Speiseplan gesetzt werden können.

Wichtig: So ist ein Großteil aller Käsesorten durch die lange Reifungszeit von Natur aus ganz oder fast laktosefrei. Das beantwortet die Frage: „Ist Käse immer laktosefrei?“

Solchen Käse als laktosefreies Spezialprodukt anzubieten und ungleich mehr Geld dafür zu verlangen, das sollte kritisch hinterfragt werden. Verbraucherzentralen in verschiedenen Teilen Deutschlands tun übrigens genau das!

Was fehlt sind nämlich gesetzliche Regelungen zur Ausweisung von Produkten als „laktosefrei“ oder „laktosearm“.

Darüber hinaus müssen lediglich einzelne Milchbestandteile angegeben werden, aber die exakte Menge an Laktose (und das ist für Menschen mit einer Laktoseintoleranz relevant) bleibt offen. So wandert unnötigerweise laktosefreier Spezialkäse in den Einkaufswagen oder laktosefreie Butter wird aufs Brot geschmiert.

Unterschiedliche Käsesorten haben einen unterschiedlichen Laktosegehalt

Wie schon beschrieben, beeinflusst die Reifungsdauer von Käse dessen Laktosegehalt.

Wichtig: Während bei Hartkäsesorten, die viele Monate lang reifen, der Milchzucker in der Regel zur Gänze abgebaut ist, kann Weichkäse (wenige Wochen Reifezeit) noch geringe Mengen Laktose enthalten und Frischkäse ist für Menschen mit Laktoseintoleranz in vielen Fällen ungeeignet.

Darin ist nämlich durchaus noch recht viel Milchzucker enthalten.

(Nahezu) Laktosefreier Käse

  • Appenzeller
  • Schafs-/Ziegenkäse (länger als sechs Monate gereift)
  • Emmentaler
  • Greyerzer
  • Cheddar
  • Raclette-Käse
  • Edamer
  • Gouda
  • Tilsiter
  • Butterkäse
  • Bergkäse
  • Bavaria Blu
  • Jerome
  • Limburger Käse
  • Münsterkäse
  • Feta
  • Camembert
  • Geheimratskäse
  • Brie
  • Parmesan
  • Roquefort
  • Winzerkäse

Käse mit spürbarem Laktosegehalt

  • Frischkäse
  • Ziegenfrischkäse
  • Schafsfrischkäse
  • Hüttenkäse
  • Rahmkäse
  • Molkenkäse
  • Schmelzkäse
  • Mascarpone
  • Quark
Merke: Ist auf der Käseverpackung 0,0 Gramm Kohlenhydrate angegeben, dann kannst du davon ausgehen, dass der Käse laktosefrei ist!
 Hinweis:  In der Laktose-Tabelle haben wir 50 Lebensmitteln mit deren Laktosegehalt gelistet.

Das Um und Auf bei einer Milchzuckerunverträglichkeit ist der entsprechende Verzicht (je nach Toleranzmenge) auf laktosehaltige Lebensmittel. Hier müssen vor allem auch jene bedacht werden, die versteckten Milchzucker enthalten (Fertigprodukte, Wurst, Süßwaren).

Eine Ernährungsberatung in der Anfangsphase ist anzuraten. Mit der Zeit wird man hier routinierter.

Im Handel ist mittlerweile eine breite Palette an laktosefreien Lebensmitteln erhältlich: Tierischen Milchprodukten (Milch, Joghurt, Rahm etc.) ist Laktase zugesetzt oder sie können durch pflanzliche Alternativen ersetzt werden (z.B.: Soja, Hafer, Mandel). Rezepte können so leicht angepasst werden.

Kalzium und Vitamin D
Wichtig ist es, auf die Zufuhr von ausreichend Kalzium und Vitamin D zu achten, um einer Osteoporose vorzubeugen. Fast alle Gemüsesorten enthalten mehr Kalzium als Vollmilch (Brokkoli, Lauch, Bohnen, Grünkohl, Fisch, Avocado, …).

Häufige Fragen zu Laktoseintoleranz

  • Was darf ich bei Laktoseintoleranz essen? Erlaubt sind alle Lebensmittel, die keinen oder nur wenig Milchzucker beinhalten. In der Laktose-Tabelle findest du eine Übersicht über laktosehaltige- und arme Lebensmittel.
  • Welche Lebensmittel sollte ich meiden? Zu meiden sind laktosehaltige, natürliche Lebensmittel wie Milch, Milchprodukte und Lebensmittel denen Laktose zugesetzt wird, zum Beispiel Wurst, Fertigprodukte und Saucen.
  • Welche Milch kann ich trinken? Pflanzendrinks wie Sojamilch, Mandelmilch oder Kokosmilch sind eine laktosefreie Alternative sowie tierische Milch, der Laktase zugesetzt wurde.
  • Welche Butter kann ich essen? Butter ist laktosearm und wird aufgrund der geringen Mengen in der Regel vertragen. Eine Alternative zu Butter ist laktosefreie Margarine.
  • Welchen Käse kann ich essen? Lang gereifter Käse (Hartkäse) beinhaltet keinen oder nur sehr wenig Laktose und ist daher verträglich. Frischkäse und Schmelzkäse enthalten Laktose und sind in der Regel nicht verträglich, bei Weichkäse und Halbhartkäse muss die individuelle Verträglichkeit getestet werden
  • Welches Brot kann ich essen? Bei Brot gibt es keine pauschale Aussage. Dunkles Brot ist in der Regel laktosefrei, aber in jedem Fall muss die Zutatenliste gelesen oder beim Bäcker nachgefragt werden, ob Laktose enthalten ist.

Quellenangaben:

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Verena

Verena beschäftigt sich als Betroffene seit vielen Jahren mit Nahrungsmittelintoleranzen. Begonnen hat bei ihr alles mit einem langwierigen Darminfekt. Daraus resultierten eine Laktoseintoleranz und Fruktosemalaborption. Im Lauf der Jahre kam noch eine Weizenunverträglichkeit hinzu. Durch viele Eigenstudien, der ein oder anderen Hilfestellung und einer konsequenten Ernährungsumstellung kommt sie mit den Unverträglichkeiten inzwischen gut durch ihren Alltag und möchte anderen Betroffenen helfen.

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