Laktoseintoleranz

Bei einer Laktoseintoleranz verträgt die betroffene Person keinen Milchzucker (Laktose), da dieser im Dünndarm nicht entsprechend aufgespalten und verdaut werden kann.

Unangenehme Symptome im Magen-Darm-Bereich und weitere Beschwerden sowie unspezifische Symptome sind die unweigerliche Folge.

In diesem Artikel erfährst du Wissenswertes zum Thema Laktoseintoleranz, deren Symtome, Feststellung, Behandlung und erhältst Informationen zur richtigen Ernährung.

Wie äußert sich Laktoseintoleranz?

LaktoseintoleranzIm Dünndarm ist ein spezielles Enzym am Werk: die Laktase! Sie sorgt dafür, dass Milchzucker in seine beiden Bestandteile zerlegt wird (Glucose und Galactose). Erst dann kommt es zum Weitertransport in den Dünndarm.

Beinhaltet die Schleimhaut des Dickdarmes nicht ausreichend Laktase, bleibt der Spaltungsprozess aus.

Der Milchzucker landet unverdaut im Dünndarm. Hier wird er von Bakterien zersetzt, was zu Gärungsprozessen führt. In weiterer Folge entstehen große Mengen an Methan, Wasserstoff und Kohlendioxid.

Zu allem Überfluss bindet Laktose Wasser, wodurch es zu verstärkter Wasseransammlung im Dickdarm kommt.

All diese Prozesse sorgen für typische Anzeichen, die üblicherweise bereits kurze Zeit nach dem Genuss milchzuckerhältiger Lebensmittel auftreten:

  • Blähbauch und Blähungen
  • Völlegefühl
  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall oder auch Verstopfung
  • Hörbare Darmgeräusche
  • Unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel oder nächtliches Schwitzen
Häufigkeit
Eine Milchzuckerunverträglichkeit ist in vielen Teilen der Erde völlig normal. Annäherungsweise 65 % der Weltbevölkerung ist nach dem Kindesalter davon betroffen. Grundsätzlich ist der Mensch genetisch nämlich so ausgestattet, dass eine Zersetzung von Laktose im Darm nur bei Babys und Kleinkindern bestens funktioniert. Schließlich müssen sie (Mutter-)Milch verdauen. Nach diesen ersten Jahren wird keine/kaum mehr Laktase im Dünndarm gebildet.

In (westlichen) Gebieten, in denen es zu übermäßigem Verzehr artfremder Milch kommt, hat sich die Genetik angepasst. Daher gilt in unseren Breitengraden eine Unverträglichkeit von Milchzucker als Erkrankung.

Das Auftreten einer Laktoseunverträglichkeit wird meist von (entzündlichen) Veränderungen der Schleimhaut im Dünndarm verursacht (zum Beispiel durch Infektion mit Viren, Bakterien oder Pilzen; Einnahme eines Antibiotikums; chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa).

In Folge kommt es zu verminderter oder ausbleibender Bildung von Laktase, wodurch Milchzucker nicht mehr verdaut werden kann.

Laktoseintoleranz testen

Eine Unverträglichkeit gegen Milchzucker ist wie andere Lebensmittelunverträglichkeiten recht einfach festzustellen. Häufig haben Betroffene ohnehin schon einen Verdacht, da die Symptome meist unmittelbar nach Verzehr laktosehaltiger Lebensmittel auftreten.

Selbsttest

Ein solcher erster Verdacht kann mit dem sogenannten Selbsttest erhärtet werden. Hierbei sollte der Betroffene allerdings damit rechnen, dass er – sofern tatsächlich eine Unverträglichkeit vorliegt – starke Beschwerden verspüren wird. Er sollte also Zeit einplanen, um diese anschließend auszukurieren.

Beim Selbsttest wird auf nüchternen Magen zügig ein Glas Vollmilch geleert.

Da der Laktosegehalt in purer Milch immens hoch ist, stellen sich Symptome in den meisten Fällen nach wenigen Minuten ein.

Wasserstoffatemtest (H2-Atemtest)

Der Fachmann stellt die Diagnose in erster Linie mit Hilfe des Wasserstoffatemtests. Wie schon beschrieben, wird bei einer Unverträglichkeit der Milchzucker nicht im Dünndarm aufgespalten, sondern gelangt in den Dickdarm, wo er von Bakterien zersetzt wird.

Eine entsprechende Menge an Gasen, unter anderem Wasserstoff, ist die Folge. Hier setzt der Test an, da bei Betroffenen der H2-Gehalt in der Atemluft erhöht ist.

Durchführung eines H2-Atemtests
Der H2-Wert wird durch das Blasen in ein spezielles Messgerät ermittelt. Danach bekommt der Patient eine Mischung aus Wasser und Milchzucker zu trinken und die Messungen werden in regelmäßigen Abständen wiederholt. Starke Abweichungen der Werte vom Normwert bzw. der Werte untereinander, bestätigen einen erhöhten Wasserstoffgehalt in der Atemluft und somit die Milchzuckerunverträglichkeit.

Es ist zu beachten, dass einige Faktoren die Messwerte ungünstig beeinflussen:

  • Einnahme eines Antibiotikums
  • Schlechte Mundhygiene
  • Zu reichhaltige Mahlzeit am Vortag
  • Rauchen
  • Starke körperliche Betätigung vor oder während des Tests

Laktoseintoleranz bei Babys und Kindern

In seltensten Fällen wird aufgrund eines Gendefekts Laktase nicht oder unzureichend ausgebildet (angeborene Milchzuckerunverträglichkeit), Symptome treten dann sofort und heftig auf. Diese Form der Unverträglichkeit ist nicht heilbar und wird üblicherweise mit Hilfe eines Gentests diagnostiziert.

Auch eine erworbene Milchzuckerunverträglichkeit ist bei Babys zwar eher selten, doch sie kommt vor.

Übergangsweise tritt sie beispielsweise bei zu früh geborenen Kindern auf, weil der Dünndarm noch nicht entsprechend ausgereift ist, um genügend Laktase zu bilden.

Auch nach schweren entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen mit Auswirkungen auf die Schleimhaut des Dünndarmes kann es bei Babys und Kindern kurzzeitig zu verminderter Laktasebildung kommen. Symptome einer Unverträglichkeit treten auf.

Grundsätzlich gilt:
Je jünger das Kind ist, desto schwieriger gestaltet sich die Diagnosestellung, da übliche Testverfahren nicht bzw. kaum angewendet werden können. In vielen Fällen erfolgt die Diagnose überhaupt nur anhand der beobachteten Symptome nach der Aufnahme von Milch bzw. Milchprodukten.

Im Hinblick auf die Symptomatik muss ergänzt werden, dass es gerade bei Säuglingen zu heftigem Schreien während und nach dem Trinken kommt. Bei anhaltendem Durchfall (häufig verbunden mit der Weigerung der Nahrungsaufnahme) ist das Risiko von Austrocknung und Gedeihstörungen besonders hoch.

Liegt tatsächlich eine Laktoseintoleranz vor, bewirkt der Umstieg auf laktosefreie Nahrung (Spezialnahrung auf Basis von Sojaprotein) rasche Besserung. Nicht selten gibt sich das Problem im Laufe des ersten Lebensjahres von selbst und der kindliche Dünndarm bildet entsprechend Laktase.

Ist das nicht der Fall, muss beim Übergang von Milchkost auf Beikost auf entsprechende Ernährung geachtet werden. Bei so manchen Produkten (Brei, Babykekse etc.) ist Vorsicht geboten, weil Milchzucker zugesetzt ist.

Behandlung bei Laktoseintoleranz

Auch eine Behandlung bei Laktoseintoleranz sollte ganzheitlich stattfinden.

Im Prinzip geht es darum, auf laktosehaltige Lebensmittel zu verzichten (Ernährung umstellen) sowie den Darm gegebenenfalls bei der Regeneration zu unterstützen. Auch eine Einnahme von Laktase-Tabletten ist möglich (im individuellen Fall, zum Beispiel vor unumgänglichen Festessen, auf Reisen o.ä.).

Hier wird das Enzym Laktase (das Laktose im Dünndarm aufspaltet) zugeführt und die Symptomatik beim Milchzuckergenuss dadurch kleingehalten.

Eine Karenzphase ist sinnvoll

Gleich nach Diagnosestellung ist es sinnvoll, eine Karenzphase von einigen Wochen Dauer einzuleiten. Hier wird für einen Zeitraum von 2-4 Wochen konsequent auf jeglichen Milchzucker verzichtet, um dem Magen-Darm-Trakt eine Auszeit zu gönnen.

Hinterher kann – im Rahmen anfänglicher Schonkost – das individuelle Maß an Laktose ermittelt werden, das vertragen wird. Bei manchen Betroffenen sind das kleine Mengen, wieder andere vertragen Milchzucker so gut wie gar nicht.

Ernährung bei Laktoseintoleranz

Allgemein gilt:

  • Milchprodukte werden meist nicht vertragen
  • Soja- oder Kokosmilch können als Ersatz dienen
  • Kartoffeln, Gemüse, Obst, Fleisch, Fische, Eier und Fette sind fast laktosefrei
  • viele Brotsorten enthalten Milch, Milchpulver oder Sahne
  • Süßigkeiten wie Milchschokolade, Pralinen, Bonbons, Schokoladeriegel und Eiscreme sind laktosehaltig
  • das gleiche gilt für viele Fertigprodukte wie Kartoffelpüree, Saucen & Suppen
 Hinweis:  In der Laktose-Tabelle haben wir 50 Lebensmitteln mit deren Laktosegehalt gelistet.

Das Um und Auf bei einer Milchzuckerunverträglichkeit ist der entsprechende Verzicht (je nach Toleranzmenge) auf laktosehaltige Lebensmittel. Hier müssen vor allem auch jene bedacht werden, die versteckten Milchzucker enthalten (Fertigprodukte, Wurst, Süßwaren).

Eine Ernährungsberatung in der Anfangsphase ist anzuraten. Mit der Zeit wird man hier routinierter.

Im Handel ist mittlerweile eine breite Palette an laktosefreien Lebensmitteln erhältlich. Tierische Milchprodukte (Milch, Joghurt, Rahm etc.) sind durch pflanzliche Alternativen ersetzbar (z.B.: Soja, Hafer, Mandel). Rezepte können so leicht angepasst werden.

Wichtig ist es auf die Zufuhr von ausreichend Kalzium und Vitamin D zu achten, um einer Osteoporose vorzubeugen (Brokkoli, Lauch, Bohnen, Grünkohl, Fisch, Avocado,…). Fast alle Gemüsesorten enthalten mehr Kalzium als Vollmilch.

Häufige Fragen zu Laktoseintoleranz

  • Was darf ich bei Laktoseintoleranz essen? Erlaubt sind alle Lebensmittel, die keinen oder nur wenig Milchzucker beinhalten. In der Laktose-Tabelle findest du eine Übersicht über laktosehaltige- und arme Lebensmittel.
  • Welche Lebensmittel sollte ich meiden? Zu meiden sind laktosehaltige, natürliche Lebensmittel wie Milch, Milchprodukte und Lebensmittel denen Laktose zugesetzt wird, zum Beispiel Wurst, Fertigprodukte und Saucen.
  • Welche Milch kann ich trinken? Pflanzendrinks wie Sojamilch, Mandelmilch oder Kokosmilch sind eine laktosefreie Alternative, tierische Milch muss gemieden werden.
  • Welche Butter kann ich essen? Butter ist laktosearm und wird aufgrund der geringen Mengen in der Regel vertragen. Eine Alternative zu Butter ist laktosefreie Margarine.
  • Welchen Käse kann ich essen? Lang gereifter Käse (Hartkäse) beinhaltet keinen oder nur sehr wenig Laktose und ist daher verträglich. Frischkäse und Schmelzkäse enthalten Laktose und sind in der Regel nicht verträglich, bei Weichkäse und Halbhartkäse muss die individuelle Verträglichkeit getestet werden.
  • Welches Brot kann ich essen? Bei Brot gibt es keine pauschale Aussage. Dunkles Brot ist in der Regel laktosefrei, aber in jedem Fall muss die Zutatenliste gelesen oder beim Bäcker nachgefragt werden, ob Laktose enthalten ist.

Facebooktwittergoogle_pluspinterestmail