Fructoseunverträglichkeit – Richtige Ernährung während der Karenzphase

Artikel aktualisiert am 05.05.2019

Fructoseintoleranz

Fructoseintoleranz – Richtige Ernährung während der Karenzphase

Reagiert man beim Genuss von Obst, vielen Gemüsesorten, aber auch Getränken oder Fertigprodukten mit deutlichen Symptomen im Magen-Darm-Bereich, könnte das auf eine Fruktoseintoleranz hinweisen. Ein Test bringt Klarheit.

Ist der Verdacht der Fruchtzuckerunverträglichkeit bestätigt, gilt es, die Ernährung langfristig so fruktosearm wie möglich beziehungsweise nötig zu gestalten. Nachdem in vielen Lebensmitteln des täglichen Gebrauchs Fruktose zu finden ist, ist das gar nicht so einfach.

In jedem Fall empfiehlt es sich, eine Karenzphase einzuhalten, bevor die individuelle Toleranzgrenze für Fruchtzucker ausgetestet wird. So kann der Darm im Vorfeld zur Ruhe kommen. Wie solch eine Karenzphase aussieht, erfahren Sie nachfolgend.

Fruktoseunverträglichkeit: Umstellung der Ernährung

Die Therapie bei Fruchtzuckerunverträglichkeit geht mit einer Umstellung der Ernährung einher. Dies ist ein über mehrere Wochen beziehungsweise Monate laufender Prozess, der sich grundsätzlich in drei Stadien unterteilen lässt:

  • Karenzphase: In dieser Zeit sollte der Genuss fruktosehaltiger Lebensmittel gänzlich bzw. so weit möglich ausbleiben. Die Dauer der Karenz ist auf etwa zwei bis vier Wochen beschränkt.
  • Testphase: Hier kommt es zum schrittweisen Einführen fruktosehaltiger Lebensmitteln, um die individuelle Toleranz zu ermitteln. Diese Phase erstreckt sich auf bis zu fünf Monate.
  • Dauertherapie: Diese fußt auf dem Ausmaß der individuellen Menge an Fruchtzucker, die vertragen wird. Der Betroffene hat ein Gespür dafür entwickelt und kann seine Ernährung im Alltag danach ausrichten.

Es empfiehlt sich, diesen Prozess entsprechend therapeutisch (Ernährungsberatung) begleiten zu lassen.

 Tipp:  Gesunde Ernährung trotz Intoleranz? Erstelle einen zu 100 % auf dich und deine Intoleranz zugeschnittenen Ernährungsplan.

Fruktosemalabsorption und Karenz: Wie viel Fruktose ist erlaubt?

Grundsätzlich dient die Karenzphase einem bestimmten Zweck: Der Magen-Darm-Bereich soll zur Ruhe kommen und sich so weit wie möglich regenerieren. Das macht es nachfolgend möglich, die individuelle Toleranzgrenze für Fruchtzucker zu ermitteln. Durch den vorherigen Verzicht auf Fruktose weist der Darm in der Testphase ein gutes Maß an Stabilität auf.

Dass viele Produkte des täglichen Lebens Fruktose enthalten, macht die Karenzphase nicht unbedingt zu einem Kinderspiel. Manche Fachleute meinen, dass Fruchtzucker in geringem Ausmaß auch in der Karenzphase in Ordnung beziehungsweise nicht wirklich vermeidbar sei. Hier scheiden sich die Geister!

Im Grunde genommen kann die individuelle Toleranzgrenze umso besser ermittelt werden, je weniger der Darm die Wochen zuvor mit Fruktose belastet wurde.

Dass es in der Praxis unmöglich ist, in der Karenzphase tatsächlich 0,0 Prozent Fruchtzucker zu sich zu nehmen, ist unbestritten. Dennoch muss einem daran gelegen sein, die Aufnahme von Fruktose in dieser Zeit so weit wie möglich gegen Null zu reduzieren.

Beispielhafter Ernährungsplan für die Karenzphase

Der folgende Ernährungsplan soll als Beispiel und Anregung dienen, was trotz Karenzphase möglich ist. Wichtig ist, die eigene Toleranz im Auge zu behalten. Du solltest möglichst nur ein Obst oder Gemüse bestenfalls über drei Tage testen, um mögliche Reaktionen darauf zurückführen zu können.

Der folgende Ernährungsplan für eine fiktive Person setzt schon voraus, dass rote Johannisbeeren und Pomelo vertragen werden. Die Avocado kommt neu hinzu. Sie wird an Tag 1 gegessen, an Tag 2 und 3 wird abgewartet und nur das bisher schon bekannte Verträgliche wird verzehrt.

Treten auch an Tag 3 keine Symptome auf, kann die Person davon ausgehen, Avocado in der verzehrten Menge auf die Toleranzliste setzen zu können. An Tag 4 kommt ein weiteres Lebensmittel hinzu, das erst verzehrt wird, um dann bis Tag 6 abzuwarten.

Leider kann bei der Malabsorption kein pauschaler Ernährungsplan erstellt werden, da die Toleranzgrenzen und verträglichen Lebensmittel höchst individuell sind.

Als Empfehlung gelten 0,04 g Fruchtzucker pro kg Körpergewicht pro Tag. Hier im Beispiel wiegt die Person 60 Kilogramm und hat somit 2,4 g Fruktose pro Tag zur Verfügung.

So fühlen sich Magen und Darm wohl

  • Kaue deine Mahlzeiten gut, vermeide es zu schlingen!
  • Iss mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt, das entlastet den gestressten Darm.
  • Iss regelmäßig, vermeide ein starkes Hungergefühl. Das stresst den angegriffenen Verdauungstrakt.

Frühstück 1:

  • 1 Scheibe Brot mit Lachs und frischer Petersilie oder
  • warmes Porridge aus 100 g Reisflocken oder 100 g Dinkelflocken mit ½ Teelöffel Leinsamen (individuelle Menge aufgrund vieler Ballaststoffe testen!) und Pomelo (25 g = ca. 0,1 g Fruktose)

Frühstück 2:

  • 150 g Naturquark mit roten Johannisbeeren (25 g = 0,6 g Fruktose) oder
  • 2 Pancakes mit Reissirup

Zwischenmahlzeit:

  • Selbstgekochter Grießbrei (möglichst ohne Zucker bzw. mit wenig Getreidezucker) – schmeckt auch kalt oder aufgewärmt, ideal zum Mitnehmen

Mittagessen:

  • Reis mit Sahne-Putengeschnetzeltem (gewürzt mit Pfeffer und Kurkuma) und Endiviensalat (100 g = 0,2 g Fruktose), Dressing aus Essig (kein Balsamico!) und Öl oder
  • Kartoffeln (300 g = 0,9 g Fruktose) mit Spinat (50 g = 0,1 g Fruktose) und 2 Spiegeleiern

Zwischenmahlzeit:

  • Naturjoghurt

Abendessen:

  • Reste vom Mittag und/oder
  • 1-2 Scheiben Brot mit ½ Avocado (80 g netto = 0,16 g Fruktose) mit wenig Zitronensaft

Gesamtfruktosegehalt: ca. 2,06 g

Tipp: Kartoffeln können verträglicher sein, wenn du sie roh und geschält über Nacht in kaltes Wasser legst. Verwende zum Kochen dann frisches Wasser. Mögliche Alternativen sind Hirse und Quinoa.

Karenzphase: Geeignete Lebensmittel

In jeder Nahrungsmittelgruppe gibt es Produkte, die während der Karenzzeit kein Problem darstellen, da sie keine oder kaum Fruktose enthalten und solche, von denen man besser die Finger lässt.

So ist es grundsätzlich gut möglich, die Ernährung auch während der Karenzphase abwechslungsreich zu gestalten.

Einen Überblick über geeignete und weniger geeignete Lebensmittel in der Karenzphase möchten wir folgend gerne geben und sind in Listenform in der Fructose-Tabelle verzeichnet.

Obst, Gemüse, Kräuter und Gewürze

Gemüse sollte grundsätzlich gekocht werden. Gut verträglich sind Kartoffeln oder Pastinaken.

Durch vorheriges Wässern (etwa 24 Stunden lang) kann man die Bekömmlichkeit noch steigern, da der Knolle Stärke entzogen wird. Auch Produkte aus Kartoffeln (Brei, Puffer, Spalten,…) dürfen verzehrt werden. Hier ist allerdings darauf zu achten, dass selbst gekocht wird. Fertigprodukte beinhalten zu viele Zusatzstoffe, hier kann sich leicht Fruktose verstecken.

Obst in der Karenzphase unbedingt meiden! Das gilt auch für Trockenfrüchte!

Kräuter und Gewürze peppen die Speisen auf, wobei auch gegenüber frischen Kräutern eine individuelle Verträglichkeit besteht und diese dementsprechend nicht gänzlich unbedenklich zu verzehren sind.

Vermeiden solltest du in jedem Fall Kräuter- oder Gewürzmischungen sowie Instant-Gemüsebrühen. Auch auf Paprikapulver, Schnittlauch, Bärlauch oder Knoblauch solltest du während der Karenzphase verzichten.

Unbedenklich sind hingegen Salz, Pfeffer, Kümmel, Koriander und Kurkuma sowie klassische Küchenkräuter wie Petersilie, Dill, Rosmarin, Thymian, Oregano, Basilikum, Salbei oder Zitronenmelisse.

Getreide, Brot und Backwaren

Meide unbedingt Vollkornprodukte aller Art, greife stattdessen auf Produkte aus Auszugsmehl (Dinkel 630, Weizen 405) zurück. Ebenfalls bekömmlich in der Karenzphase sind Reis, Grieß, Hirse und auch Polenta.

Vollkornprodukte sind sehr gesund, da sie noch alle Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe des vollen Korns enthalten. Doch gerade durch diese Reichhaltigkeit kann ein gereizter Darm Schwierigkeiten damit haben, das Korn entsprechend aufzuspalten und zu verarbeiten.

Deswegen solltest du während der Karenzphase Vollkorn vermeiden. Zu Beginn der Testphase kannst du feingemahlenes Vollkorn in die Ernährung integrieren. Steigere die Verzehrmenge von Vollkornprodukten langsam.

Du kannst zum Beispiel anfangs unter den weißen Reis Naturreis mischen, um diese Menge von Mahlzeit zu Mahlzeit langsam zu erhöhen.

Süße Backwaren (Kuchen, Kekse, Gebäck) sind während der Karenzphase tabu, hier findet sich meist (versteckte) Fruktose. Studiere die Zutatenliste bei Fertigprodukten ganz genau. So wird zum Beispiel gerne Lupinenmehl als Feuchthaltemittel zugesetzt. Dieses ist fruktosehaltig. Vorsicht auch bei Müsli (Mischungen, Riegel).

Tierische Produkte

Fisch, Fleisch und Eier sind in der Karenzphase problemlos, da sie keine Fruktose enthalten. Dasselbe gilt grundsätzlich für Milchprodukte wie Butter, Joghurt, Käse, Milch und Co.

Hier muss aber unbedingt darauf geachtet werden, dass diese in ihrer Reinform Anwendung finden und nicht extra gesüßt oder gemixt sind (zum Beispiel mit Fruchtmus o.ä.). Bei Bedarf kann man sich mit fruktosefreien Süßungsmitteln (Reissirup, Dinkelsirup oder Traubenzucker etwa) selbst behelfen.

Es ist zu bedenken, dass Fruktosemalabsorption und Laktoseintoleranz durchaus auch gekoppelt auftreten können. Ist dies der Fall, muss man auf laktosefreie Produkte umsteigen.

Getränke

Bei bestehender Fruktosemalabsorption sind gerade auch in der Karenzphase (Mineral-)Wasser sowie Kräutertee, Milch pur und Ayran (Joghurt, Wasser und Salz) zu empfehlen.

Schwarztee und Kaffee sollten wegen des beinhalteten Teins beziehungsweise Koffeins nur in Maßen genossen werden. Auf Kakao muss man zwar nicht verzichten, allerdings sollte dieser aus Milch, echtem Kakao und Traubenzucker selbst gemixt werden. Fertige Trinkmischungen wie Nesquick und Co. bitte aufgrund versteckter Fruktose meiden!

Gerade in der Karenzphase muss unbedingt auf gesüßte (Frucht-)Säfte, Limonaden, Früchtetees und Tees mit Süßholzwurzel verzichtet werden.

Sonstiges

Gut verträglich bei Fruktosemalabsorption sind Knabberein wie Reiswaffeln, Salzstangen oder gesalzene Chips. Dies selbst in der Karenzphase. Studiere aber in jedem Fall die Zutatenliste!

Achtung: Fertigsaucen, Dressings, Ketchup und Mayonnaise enthalten häufig (versteckte) Fruktose.

Pflanzliche Fette wie Speiseöle (ohne Zusätze!) oder Margarine eignen sich in der Karenzphase besonders gut.

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Verena

Verena beschäftigt sich als Betroffene seit vielen Jahren mit Nahrungsmittelintoleranzen. Begonnen hat bei ihr alles mit einem langwierigen Darminfekt. Daraus resultierten eine Laktoseintoleranz und Fruktosemalaborption. Im Lauf der Jahre kam noch eine Weizenunverträglichkeit hinzu. Durch viele Eigenstudien, der ein oder anderen Hilfestellung und einer konsequenten Ernährungsumstellung kommt sie mit den Unverträglichkeiten inzwischen gut durch ihren Alltag und möchte anderen Betroffenen helfen.

12 Kommentare
  1. Hallo, wie sieht es denn mit Nüssen in der Karenzphase aus?

  2. Hallo!
    Sehr informativ die Seite hier, danke! Eine Frage habe ich noch: wenn bei den Zutaten „Zucker“ steht, muss ich davon ausgehen, dass Fruktose enthalten ist? Bei den meisten Verpackungen steht nicht direkt drauf, welcher Zucker genau enthalten ist.

    Danke schon mal!
    LG VP

    • Haushaltszucker beinhaltet Fructose, dementsprechend ja! Selbst wenn ein Produkt als „fructosefrei“ oder andersrum als „zuckerfrei“ gekennzeichnet ist, kann das ein Fallstrick sein, denn es wird zwischen Haushaltszucker und Fruchtzucker differenziert. Es hilft leider nur die Zutatenliste zu studieren und zu wissen, in welchen Zutaten sich Fructose befindet. In vielen Produkten ist natürlicherweise Fructose enthalten.

  3. Super Infos!
    Ich würde gerne noch wissen was mit Aufschnitt ist, Wurst generell?

    • Fleisch- und Wurstprodukte sind generell fructosearm und damit idR verträglich, aber aufgepasst bei gewürztem/mariniertem Fleisch und Fleischsalat.

  4. Wenn ich in der Karenzphase Rhabarber oder Cranberrys essen möchte (ist ja laut meiner Liste erlaubt), muss ich beides ungezuckert 😟 zu mir nehmen?

  5. Welchen Zucker kann ich denn zum Backen während der Karenzzeit verwenden? Unser Sohn isst jetzt fast nichts mehr und ich mache mir große Sorgen, dass er noch dünner wird, als er ohnehin schon ist. :-(, Ich würde ihm gerne einen ‚Gesundheitskuchen‘ backen.

  6. Ich bin bei dem möglichen Getreide etwas verwirrt, evtl haben Sie dazu noch ein paar Infos.
    Unsere Ernährungsberaterin meinte, Vollkorn ist okay, da meine Tochter leider kaum Gemüse mag, könnte sie dadurch ein paar Vitamine und Mineralien aufnehmen.
    Zudem habe ich gehört, dass viele Fructosemalabsorbtion Patienten gleizeitig eine Weizenunverträglichkeit aufweisen, somit wären Produkte mit Weizen (Brot, Nudeln ect ) ebenso tabu.

    • Vollkorn in der Karenzphase nicht, das ist für einen bereits angeschlagenen Darm zu schwer zu verdauen und reizt ihn noch mehr. In der Testphase und darüber hinaus wäre fein gemahlenes Vollkorn möglich, muss aber individuell getestet werden. Eine Weizenunverträglichkeit kann bei FM vorkommen, muss aber nicht. Auch hier gilt: testen. Liegt sie vor, kann sie verschiedene Ursachen haben: zu schnell gebackenes Brot (meist industriell hergestellt), Fruktane im Weizen oder allergische Reaktionen. Alternativen wären Dinkelbackwaren und/oder Selbstbacken.

  7. Während der Karenzphase sollte null Obst gegessen werden. Evtl schmeckt ihm aber eine Reiswaffel mit Butter und Salz oder gekochte Hühnchenbrust – oder mit Reissirup als Alternative, wenn er mal Heißhunger auf was Süßes hat.
    Alles Gute!

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