Histaminintoleranz

Artikel aktualisiert am 05.05.2019

Histaminintoleranz

Histaminintoleranz ist die am dritthäufigsten auftretende Unverträglichkeit

Kommt es nach dem Genuss bestimmter Lebensmittel zu unangenehmen Symptomen, lässt das viele Menschen hellhörig werden. Nicht selten vermuten Betroffene eine Unverträglichkeit und suchen daher den Facharzt auf.

Hier hat es sich bewährt, Notizen zu Häufigkeit, Auftreten und Stärke der Beschwerden zur Hand zu haben, um schon beim Anamnesegespräch eine Vermutung äußern zu können.

Manche Unverträglichkeiten, wie etwa eine Histaminintoleranz, zeichnen sich durch solch vielfältige Symptome aus, dass sie nicht immer einfach zu diagnostizieren sind.

Hier sind ein kompetenter Arzt und entsprechende Instrumente zur Feststellung gefragt.

Rolle von Histamin im menschlichen Körper

Histamin wird dem menschlichen Körper nicht nur über Nahrung zugeführt, wir produzieren es auch selbst.

Es gehört zu den biogenen Aminen, weil es eine Stickstoff-Wasserstoff-Verbindung aufweist. Histamin dient uns als Hormon und Botenstoff und übernimmt so manche wichtigen Aufgaben im Organismus.

Hohe Mengen an Histamin sind auch für gesunde Menschen potentiell gefährlich.

Der Körper stellt dem Histamin also einen Stoff entgegen, der für einen entsprechenden Abbau zuständig ist: Diaminoxidase (kurz: DAO).

Bei Menschen, die an einer Histaminunverträglichkeit leiden, sind diese Abbauprozesse beeinträchtigt (dazu später mehr). Bereits kleine Mengen Histamin reichen aus, um unangenehme Symptome auszulösen.

Funktion im Organismus
Histamin ist nicht nur für einen entsprechenden Schlaf-Wach-Rhythmus zuständig und weitet die Gefäße (Blutdruckstabilisation), sondern regelt es ebenso die Produktion von Magensäure und nimmt eine wesentliche Funktion im Immunsystem ein. Auch auf Appetitkontrolle und Konzentrationsfähigkeit übt Histamin Einfluss aus.

Symptome einer Histaminintoleranz

Nachdem Histamin im menschlichen Körper an vielfältigen Prozessen beteiligt ist, variieren die Symptome einer Histaminunverträglichkeit stark.

Auch der zeitliche Abstand bis zum Auftreten der unangenehmen Begleiterscheinungen ist recht verschieden. Manche Betroffene werden unmittelbar mit den Anzeichen der Unverträglichkeit konfrontiert, bei anderen treten sie erst Stunden später in Erscheinung.

Die gängigsten Anzeichen einer Histaminintoleranz sind:

  • Problematiken im Magen-Darm-Bereich: Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe, Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen, häufiger Stuhldrang, Durchfall
  • Problematiken im Bereich des Immunsystems: Infektanfälligkeit, laufende Nase, chronischer Schnupfen, Asthma
  • Problematiken im Bereich der Haut: Hautausschläge, Nesselsucht, plötzliches und starkes Erröten im Gesichtsbereich („Flush“), Jucken, Schwellungen
  • Problematiken im Herz-Kreislauf-Bereich: niedriger Blutdruck und daraus resultierend Schwindel, Schweißausbrüche, Schwächegefühl; Herzrhythmus-Störungen
  • Außerdem: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Konzentrationsschwächen, Kopfschmerzen, Migräne

Bei einer Histaminintoleranz sind Beschwerden besonders häufig auf den Magen-Darm-Bereich bezogen. Der Genuss histaminhaltiger Lebensmittel ist mit unangenehmen Begleiterscheinungen verbunden, die durchaus quälenden Charakter annehmen können.

Auch eine Kombination mit Symptomen aus anderen Bereichen (Haut/Nervensystem/Herz-Kreislauf-System) ist nicht ungewöhnlich.

Bauchschmerzen und Magenkrämpfe

Grundsätzlich sind Bauchschmerzen und Magenkrämpfe keine Erkrankungen, die für sich stehen, sondern als Begleiterscheinung zu sehen sind. Als Symptome einer Histaminunverträglichkeit treten Schmerzen und Krämpfe im Bauchbereich relativ häufig auf und das in unterschiedlicher Ausprägung.

Für sich stehend, oder in Kombination mit Übelkeit, Blähungen sowie Durchfällen, zeigen sie an, dass der Körper mit dem Übermaß an Histamin schwer zurecht kommt.

Blähungen

Blähungen, vor allem in stark ausgeprägter Form, sind Betroffenen unangenehm und werden aus diesem Grund häufig verschwiegen. Dabei zählen sie zur klassischen Symptomatik einer Histaminintoleranz.

Durch die gestörten Abbauprozesse des Botenstoffs kommt es zu vermehrter Gasbildung im Darmbereich. Dieses Gas muss auf irgendeine Weise entweichen! Blähungen, gemeinhin auch als Darmwinde oder Flatulenzen bezeichnet, sind die Folge.

Je nach Ausprägungsgrad der Histaminunverträglichkeit, können Blähungen äußerst schmerzhaft und anhaltend sein beziehungsweise in Kombination mit anderen Symptomen im Magen-Darm-Bereich (Durchfälle, Übelkeit, Krämpfe) auftreten.

Bei begründetem Verdacht einer Intoleranz sollten übermäßige Blähungen also unbedingt ärztlich abgeklärt werden.

Übelkeit, Brechreiz und Erbrechen

Durch eine Histaminintoleranz bedingte Bauchschmerzen und Blähungen sind nicht selten mit generellem Unwohlsein, Übelkeit und Brechreiz verbunden. Durch das Übermaß an Histamin im Körper ist es außerdem nicht ungewöhnlich, dass es zum Erbrechen kommt.

Durchfälle

Auch Verdauungsbeschwerden wie wiederkehrende Durchfälle sind ein klassisches Symptom einer bestehenden Histaminintoleranz. Der Körper reagiert auf das Übermaß an Histamin mit dem Freisetzen von Flüssigkeit, was häufigen Stuhlgang in breiiger Konsistenz sowie anhaltende Durchfälle zur Folge hat.

Darüber hinaus können durch den Anstieg des Histaminspiegels im Körper auch Symptome wie Oberbauchschmerzen, Völlegefühl oder Sodbrennen auftreten.

Anzeichen an der Haut

Viele Betroffene beschreiben die Rotfärbung der Haut als eine typische Reaktion auf die Unverträglichkeit. Dieses Symptom, auch als „Flush“ bezeichnet, tritt bei einer Histaminintoleranz tatsächlich gehäuft auf. Darüber hinaus sind Juckreiz, Nesselsucht und Quaddelbildung typische Anzeichen in Bezug auf die Haut.

Symptome der Atemwege

Bei einer bestehenden Intoleranz werden unterschiedliche Symptome der Atemwege nach Genuss histaminhaltiger Lebensmitteln beschrieben.

Diese können sein:

  • leichtes Kribbeln
  • verstopfte Nase
  • vermehrtes Niesen
  • fließender Schnupfen

Als besonders starke Reaktionen treten hier auch Atemnot beziehungsweise Asthmaanfälle auf.

Wirkung auf das Nervensystem

Kann der Körper Histamin nicht entsprechend abbauen, reagieren Betroffene häufig mit Kopfschmerzen, Migräneanfällen oder diffusem Schwindelgefühl. Schmerzzustände im Kopfbereich lassen sich dadurch erklären, dass Histamin an den dortigen Blutgefäßen wirkt (H1-Rezeptoren).

Ferner beschreiben Betroffene auch Beschwerden wie Müdigkeit, Verwirrtheit oder Konzentrationsabfall.

Reaktionen im Herz-Kreislauf-System

Besonders schwerwiegende Wirkung kann eine Histaminunverträglichkeit auf das Herz-Kreislauf-System ausüben. Hier können Symptome wie Blutdruckanstieg, Blutdruckabfall, Herzrasen sowie Herzrhythmusstörungen einen potentiell lebensbedrohlichen Zustand hervorrufen.

Histaminunverträglichkeit aus gynäkologischer Sicht

Eine Histaminintoleranz kann sich außerdem in gynäkologischen Symptomen niederschlagen. Zwar ist das Feld noch recht wenig erforscht, doch Wissenschaftler haben längst einen Zusammenhang zwischen dem weiblichen Sexualhormon Östrogen und dem Botenstoff Histamin festgestellt.[1]

Viele Beschwerden, die Frauen während der Regelblutung quälen, sind identisch mit jenen einer Histaminunverträglichkeit: Kopfschmerzen, Migräne, Krämpfe oder Müdigkeit, um nur einige zu nennen.

Leiden Frauen während der Periode in erhöhtem Ausmaß an jenen Symptomen, sollte durchaus die Möglichkeit einer Histaminintoleranz in Betracht gezogen werden.

Eine erfreuliche Nachricht gibt es für alle Frauen, die an Histaminunverträglichkeit leiden: Für die Zeit der Schwangerschaft verschwinden die typischen Beschwerden meist gänzlich! Der Grund? Das Enzym Diaminoxidase wird vermehrt gebildet, um ein Abstoßen des Fötus zu verhindern!

Darüber hinaus ist ein Zusammenhang zwischen Beschwerden während der Wechseljahre und Histaminunverträglichkeit gegeben.

Bei vielen Frauen kommt es zeitgleich mit der typischen Hormonumstellung im Klimakterium zu ersten Symptomen einer Histaminintoleranz. Nicht verwunderlich also, dass statistisch gesehen am häufigsten Frauen jenseits der 40 mit einer Histaminunverträglichkeit zu kämpfen haben.

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Ursachen einer HIT

Erwiesen ist, dass bei Betroffenen das überschüssige Histamin im Darm nicht entsprechend abgebaut wird, was eine Vielzahl unangenehmer Symptome zur Folge hat.

Was ursächlich für diese Form der Unverträglichkeit ist, scheint wissenschaftlich bisher nicht gänzlich geklärt.

Fest steht, dass eine Fehlfunktion im Bezug auf den Abbaustoff DAO vorliegen muss. Es wird zu wenig DAO produziert bzw. liegt dieses zum Teil in inaktiver Form vor. Geringe Mengen an Histamin in Lebensmitteln lösen daher Beschwerden aus.

Auftreten und Häufigkeit
Nach aktuellem Stand der Wissenschaft wird davon ausgegangen, dass eine Histaminunverträglichkeit erst im Laufe des Lebens erworben wird und nicht angeboren ist[2]. Außerdem stehen Hormonumstellungen im Verdacht, Histaminintoleranz auszulösen. Für beides spricht, dass über 80 % aller Betroffenen Frauen im mittleren Alter sind[3].

Faktoren, die vermutlich Einfluss auf das Entstehen einer Histaminunverträglichkeit nehmen, sind zudem Stress, Nahrungsmittelallergien und Magen-Darm-Entzündungen.

Eine Histaminintoleranz ist nicht heilbar. Durch entsprechende Therapie (Anpassung von Ernährung und Lebensstil, in Ausnahmefällen auch Einnahme von Medikamenten) kann sie allerdings symptomarm gehalten werden.

Histaminintoleranz testen

Bis vor kurzem war es die Regel, dass zur Diagnose einer Histaminunverträglichkeit Blutwerte, Stuhl oder Harn näher in den Blick genommen wurden.

Rückwirkend lässt sich jedoch feststellen, dass diese Rechnung nicht aufgeht, da auf diesem Weg keinerlei Aussage darüber getroffen werden kann, wie es sich mit der Aktivität der untersuchten Enzyme (DAO, HNMT) im Dünndarm verhält.

Mittlerweile empfehlen Fachorganisationen eine schrittweise Herangehensweise in Bezug auf die Diagnosestellung, die in jedem Fall professionell (Ärzte, Ernährungstherapeuten) begleitet werden muss.

Symptomtagebuch und Differenzialdiagnose

Das A und O zur späteren Diagnosestellung ist das Führen eines Ernährungs-Symptom-Tagebuchs. Über einen vorab definierten Zeitraum (meist mehrere Wochen) wird darin sämtliche Nahrung, die man dem Körper zuführt, ebenso notiert wie darauf folgende Reaktionen.

Darüber hinaus finden auch wertvolle Zusatzinformationen (Wetter, Erkrankungen, Medikamenteneinnahme,…) Platz.

Eine solch akribische Aufzeichnung macht es folgend möglich, Zusammenhänge zwischen bestimmten Nahrungsmitteln oder Getränken (siehe Histamin-Tabelle mit histaminhaltigen Lebensmitteln) und körperlichen Symptomen herzustellen. Wesentlich ist, dass es während der Zeit, in der das Symptomtagebuch geführt wird, zu keinerlei Einschränkungen in der Ernährung (wie zum Beispiel durch Diäten, Fasten, etc.) kommt.

Gerade beim Verdacht einer Histaminintoleranz macht es außerdem Sinn, dass Frauen die Zeitspanne der Menstruation notieren und dabei auftretende Symptome ebenso gewissenhaft protokollieren.

In Folge können diese Aufzeichnungen bereits beim Anamnesegespräch in der Arztpraxis genutzt werden. Wichtig ist, dass sich der Arzt genügend Zeit nimmt, um den Zusammenhängen zwischen Ernährung und Symptomen auf die Schliche zu kommen.

Mit Hilfe einer Differenzialdiagnose (Ausschluss anderer Erkrankungen, die ursächlich sein könnten, wie beispielsweise chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder diverse Lebensmittelintoleranzen sowie -allergien) kann die Verdachtsdiagnose Histaminintoleranz schließlich gestellt werden.

Eliminationsdiät sowie optionaler Provokationstest

Ist die Verdachtsdiagnose Histaminunverträglichkeit gestellt, muss in einem zweiten Schritt eine sogenannte Eliminationsdiät erfolgen. Durch diese lässt sich die vermutete Diagnose erhärten.

Während dieser etwa zwei bis vier Wochen andauernden Phase ist die Ernährung durch strikte Karenz geprägt. Nicht nur auf histaminhaltige Lebensmittel und Getränke muss verzichtet werden, ebenso werden DAO-hemmende Medikamente und Antihistaminika ausgesetzt.

Da in dieser Phase sehr viel ernährungsspezifisches Wissen benötigt wird, ist es empfehlenswert, die Eliminationsdiät therapeutisch begleiten zu lassen.

Gehen während der Karenzphase die körperlichen Symptome deutlich zurück, gilt der Verdacht der Histaminunverträglichkeit quasi als bestätigt.

Optional kann ein Provokationstest durchgeführt werden. Dieser sollte ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, da die Wahrscheinlichkeit einer starken Symptomatik hoch ist. Bei dieser Testung wird dem Körper kontrolliert Histamin zugeführt und seine Reaktion beobachtet. So kann die Diagnose bekräftigt werden.

Veraltete Diagnosewege

Diagnosestellung aufgrund von Histaminwerten in Stuhl oder Urin zählt schon längere Zeit zu den veralteten Methoden.

So gibt gerade der Histamingehalt im Stuhl lediglich an, wie viel des Botenstoffes abgebaut wurde und lässt keinerlei Rückschlüsse auf die Abbauprozesse selbst zu.

Bis vor kurzem galt eine Blutuntersuchung als Mittel der Wahl, um einer vermuteten Histaminintoleranz auf die Spur zu kommen. Der Histamingehalt wurde dabei ebenso untersucht wie die Aktivität von Histamin im Blut. Mittlerweile weiß man, dass sich solche Werte leider nicht 1:1 umlegen lassen.[4]

Die Aktivität von Histamin im Blut lässt nämlich keinen haltbaren Rückschluss über die Aktivität von Histamin im Darm zu.

Nun könnte man natürlich die Abbauprozesse von Histamin im Dünndarm selbst genauer unter die Lupe nehmen, indem man die Konzentration des Enzyms DAO ermittelt. Diese Vorgehensweise liefert zwar tatsächlich brauchbare Daten, jedoch ist dazu eine Dünndarmbiopsie notwendig.

Allein aus diesem Grund kommt sie im generellen Diagnoseprozess nicht zur Anwendung. Etwas anderes ist es, wenn sowieso eine Biopsie durchgeführt werden muss. Dann kann in diesem Zusammenhang das Dünndarmgewebe entsprechend untersucht und die Werte können zur Diagnosestellung herangezogen werden.

Diagnosestellung: keinesfalls in Eigenregie

An dieser Stelle muss betont werden, dass die Diagnosefindung in Bezug auf sämtliche Intoleranzen stets ärztlich und ernährungstherapeutisch begleitet werden sollte.

Im Zusammenhang mit Histaminintoleranz ist Vorsicht bei sogenannten Selbsttests (Haaranalyse, Speicheltest, Blutheimtest o.ä.) geboten, die gerne online angeboten werden.

Nicht nur, dass sie keine gesicherte Diagnose liefern, in den meisten Fällen liegen ihnen nicht einmal entsprechende Studien oder Evaluationen zugrunde. Dadurch begeben sich Betroffene leicht in eine medizinisch bedenkliche Situationen.

Therapie und Ernährungsumstellung

Eine Histaminunverträglichkeit ist nicht heilbar, man muss also lernen, mit der Krankheit zu leben. Die gängige Therapie ist eine strikte Diät/Ernährungsumstellung. Bei Bedarf können auch Medikamente eingesetzt werden.

Richtige Ernährung

Merke: Gilt die Diagnose als bestätigt, empfiehlt es sich, eine Ernährungsberatung in Anspruch zu nehmen. Es gibt einige Lebensmittel, die hohe Dosen Histamin enthalten und daher strikt gemieden werden müssen. Hierzu sollte man sie allerdings kennen, eine diätologische Beratung macht also Sinn!

Lebensmittel, die geringe Mengen Histamin enthalten, lösen auch bei Menschen mit Histaminunverträglichkeit häufig keine oder kaum Beschwerden aus.

Vermieden werden sollten jene Nahrungsmittel, die in den Histaminhaushalt eingreifen, indem sie etwa im Körper gespeichertes Histamin freisetzen.

Hoher Histamingehalt
Einen hohen Histamingehalt weisen in der Regel Nahrungsmittel und Getränke auf, bei denen eine lange Reifungszeit gegeben ist. Auch Fertiggerichte und Lebensmittel, die lange gelagert wurden bzw. bei denen es zur Unterbrechung der Kühlkette gekommen ist, sind oft histaminreich. Demgegenüber weisen frische Lebensmittel (auch schockgefroren) meist nur geringe Mengen an Histamin auf.

Nachfolgend findest du eine Liste an Lebensmitteln, die du bei Histaminintoleranz meiden solltest:

  • Obst/Gemüse: Erdbeeren, Ananas, Kiwi, Avocado, Tomaten, Sauerkraut, Spinat
  • Milchprodukte: lang gereifte Käsesorten (Emmentaler, Parmesan, reifer Camembert, Bergkäse, …) sowie Produkte aus Rohmilch
  • Fleisch/Wurst/Fisch: Leber/Leberwurst, Hackfleisch, geräucherte und getrocknete Wurst (Salami, Prosciutto, Mettwurst), Thunfisch, Fischkonserven sowie Aufgewärmtes generell
  • Alkohol: Wein, Sekt, Bier (Alkohol hemmt das histaminabbauende Enzym DAO)
  • Genussmittel: Kaffee, schwarzer Tee, Kakao, Schokolade, Knabbergebäck, Nüsse

Nicht jeder Kaffee ist histaminhaltig

Aufatmen ist angesagt! Betroffene reagieren auf das Koffein im Kaffee, das zu vermehrter Ausschüttung von Histamin führt. Kaffeegenuss ohne Koffein ist bei bestehender Histaminintoleranz also kein Problem. Symptome sind hier keine zu erwarten.

Zum Glück gibt es am Markt mittlerweile durchaus gute Kaffeesorten, die ohne Koffein auskommen und dabei keineswegs an Geschmack einbüßen. Auch in vielen Cafés und Restaurants ist standardmäßig Kaffee ohne Koffein auf der Getränkekarte zu finden. So steht selbst unterwegs dem Kaffeegenuss nichts im Wege.

Alternativ kann auch bei Getreidekaffee zugeschlagen werden. Dinkel ist hier besonders beliebt.

Wenn es doch Koffein sein soll

So manchem Kaffeeliebhaber treibt die Vorstellung von entkoffeiniertem Kaffee Schweißperlen auf die Stirn. Muss es bei bestehender Histaminunverträglichkeit tatsächlich fortwährend koffeinfrei sein? Oder darf beim Frühstückskaffee eine Ausnahme gemacht werden, um schwungvoll in den Tag zu starten?

Eine Histaminintoleranz ist stets eine individuelle Sache, sprich, Toleranzgrenzen können sehr unterschiedlich gelagert sein. Es empfiehlt sich, nach Diagnose eine gewisse Karenzphase einzuhalten, in der auf sämtliche histaminhaltige Lebensmittel verzichtet wird.

Danach kann durch langsames Herantasten die persönliche Toleranzgrenze ermittelt werden.

Führen Betroffene nach dieser anfänglichen Karenz koffeinhaltigen Kaffee schrittweise ein, werden sie rasch ein Gefühl dafür entwickeln, wie viel Kaffee ohne Symptomatik vertragen wird. In manchen Fällen sind 1-2 Tassen pro Tag kein Problem. Es gilt also, die individuelle Grenze herauszufinden.

Empfohlen wird außerdem Espresso. Als Wachmacher eignet er sich hervorragend für den gelungenen Start in den Tag, enthält dabei aber weniger Koffein als vergleichbare Kaffeesorten.

Im Espresso-Kocher zubereitet, reduziert sich auch die Wahrscheinlichkeit, unbeabsichtigt Histaminrückstände mitzukochen. Dies kann bei Vollautomaten durch Verschmutzungen durchaus der Fall sein.

Und wie ist das mit Alkohol?

Bei bestehender Histaminintoleranz ist im Hinblick auf Alkoholgenuss Vorsicht geboten. Fruchtige Cocktails (Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Kiwi) oder ein gutes Glas Rotwein können deutliche Symptome hervorrufen. Doch während man bei Cocktails gut auf Alternativen umschwenken kann, ist das bei Rotwein nicht ganz so einfach. Oder etwa doch?

Keine Sorge! Auf ein gutes Glas Wein muss tatsächlich nicht verzichtet werden! Eine Alternative stellt etwa Weißwein dar, der weniger Histamin enthält, und von vielen Betroffenen (in Maßen genossen) gut vertragen wird.

Wer auf Nummer sicher gehen will, greift auf histaminarmen Wein zurück, der im Fachhandel zu finden ist. Geschmacklich ist hier nämlich kein Unterschied festzustellen. Auf diese Weise kann selbst ein feiner Schluck Rotwein bedenkenlos genossen werden.

 Hinweis:  In der Lebensmittelliste haben wir 100 histaminhaltige und -freie Lebensmittel mit deren Verträglichkeit hinsichtlich des Histamingehaltes gelistet.

Nach der Diagnose sollte eine Karenzphase stattfinden, innerhalb dieser histaminhaltige Produkte über mehrere Wochen strikt gemieden werden. Danach lässt sich die persönliche Toleranzgrenze ermitteln.

Es hat sich bewährt, auf ausreichend Zufuhr von Vitamin B6, Vitamin C, Zink, Magnesium und Kalzium zu achten, da diese den Histaminabbau unterstützen.

Vorsicht! Auch manche Medikamente (Parkemed, Voltaren, Novalgin, …) greifen in den Histaminhaushalt ein.

Geeignete Medikamente

Merke: Mittel der Wahl ist grundsätzlich eine entsprechende Ernährungsumstellung. Sollte dies allein nicht ausreichen oder kommt es zu Situationen, in denen die Histaminaufnahme nicht eingeschätzt werden kann, ist es möglich, kurzfristig auf Medikamente zurückzugreifen:

Antihistaminika: Die volle Entfaltung von Histamin wird verhindert, da dieses nicht entsprechend an seinen Rezeptoren anhaften kann.

Enzymersatz: Das Enzym Diaminoxidase wird in Tablettenform aufgenommen, allerdings ist die Wirksamkeit sehr umstritten.

Häufige Fragen zu Histaminintoleranz

  • Was ist Histamin? Histamin ist ein für den menschlichen Organismus wichtiger Naturstoff, der im Körper zahlreiche Funktionen übernimmt. Es ist unter anderem an Entzündungsreaktionen beteiligt und für den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Appetitkontrolle und Lernfähigkeit zuständig.
  • Was darf ich bei Histaminintoleranz essen? Erlaubt sind alle Lebensmittel, die kein oder wenig Histamin beinhalten. In der Histamin-Tabelle findest du eine Übersicht über verträgliche, meist verträgliche und unverträgliche Lebensmittel.
  • Welche Medikamente muss ich meiden? Das hängt von der Verträglichkeit ab. Medikamente wie Aspirin, Mucosolvan oder Novalgin können den Histaminabbau hemmen oder das körpereigene Histamin freisetzen. Möglicherweise zu meidende Medikamente sind in dieser Übersicht gelistet.
  • Wie lange dauern die Symptome an? Die Reaktionszeit- und dauer ist bei jedem Betroffenen unterschiedlich. Die Symptome können nach 20 Minuten, aber auch erst nach einem Tag auftreten und mehrere Tage anhalten.

Quellenangaben:

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Verena

Verena beschäftigt sich als Betroffene seit vielen Jahren mit Nahrungsmittelintoleranzen. Begonnen hat bei ihr alles mit einem langwierigen Darminfekt. Daraus resultierten eine Laktoseintoleranz und Fruktosemalaborption. Im Lauf der Jahre kam noch eine Weizenunverträglichkeit hinzu. Durch viele Eigenstudien, der ein oder anderen Hilfestellung und einer konsequenten Ernährungsumstellung kommt sie mit den Unverträglichkeiten inzwischen gut durch ihren Alltag und möchte anderen Betroffenen helfen.

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