Xylit, Erythrit & Co. – Wirklich ein Zuckerersatz?

Artikel aktualisiert am 12.11.2019

Xylit, Erythrit ein Zuckerersatz?

Können Xylit, Erythrit & Co. den ungesunden Haushaltszucker ersetzen?

Es ist kein Geheimnis: Zucker lauert überall! Ob im als gesund beworbenen Müsli oder im Ketchup, täglich nehmen wir weit mehr davon zu uns, als unserem Körper gut tut. Kein Wunder also, dass Ersatzprodukte boomen.

Zuckeralternativen wie Agavensirup, Stevia oder Palmzucker gehören längst ins gut sortierte Supermarktregal. Seit einiger Zeit befinden sich dort ebenfalls Produkte, die als Alternative zum Industriezucker kontrovers diskutiert werden: sogenannte Zuckeralkohole wie Xylit oder Erythrit.

Worum es sich dabei handelt, inwiefern sie tatsächlich eine Alternative zum gängigen Haushaltszucker darstellen und wie es mit gesundheitlichem Nutzen und Nebenwirkungen bestellt ist, das erfahren Sie folgend.

Xylit und Erythrit: Was man darunter versteht

Unter Xylit, Birkenzucker, Xucker, Mannit, Isomalt, Erythrit, Xucker light, Sukrin oder Sucolin findet man sie in den Regalen: Ersatzprodukte zum handelsüblichen Haushaltszucker. Da es sich chemisch gesehen um Zuckeralkohole handelt, fallen manche der ungesunde Aspekte weg, die uns den klassischen Industriezucker oftmals verleiden.

Trotz derselben chemischen Einordnung und gleichem Aussehen, das gängigem Zucker entspricht, finden sich Unterschiede zwischen Xylit und Erythrit.

Sei es in Nährwert, Herstellung oder Einsatzgebiet.

Xylit: nicht nur im Kaugummi sinnvoll

Xylit, auch bekannt als Birkenzucker, da es aus der Rinde von Birken und Buchen gewonnen wird (mittlerweile auch aus Maiskolbenresten, ob der großen Nachfrage), wird häufig mit Kaugummi oder Bonbons in Zusammenhang gebracht, die die Zähne nicht angreifen. Dies ist tatsächlich der Fall.

Zuckeralkohole können von Kariesbakterien nämlich nicht verstoffwechselt werden.

So hat Xylit längst auch Einzug in Zahnpasta und Mundspülungen gehalten.

Doch abseits der Zahngesundheit punktet Xylit ebenso: Es hat nahezu dieselbe Süßkraft wie klassischer Zucker[1] und kann so rasch und unkompliziert ersetzt werden.

Was den Nährwert anbelangt, liegt Xylit mit 300 kcal pro 100 Gramm zwar hinter Erythrit, doch das sind immer noch 40 % weniger Kalorien, als wir mit herkömmlichem Industriezucker zu uns nehmen.

Als Zuckerersatz für Diabetiker beziehungsweise Menschen mit schwankendem Blutzuckerspiegel stellt Xylit eine gute Alternative dar.

Der Blutzuckerspiegel steigt bei dessen Genuss nämlich nur geringfügig an (glykämischer Index: 7).

Xylit: Wirkung auf die Ohrengesundheit

Ein interessanter Vorteil, den Xylit für sich verbuchen kann: Es reduziert nachweislich Ohreninfektionen![2] Das liegt darin begründet, dass es das Wachstum zweier Bakterienstämme hemmt, die ursächlich für Ohrenentzündungen sind (Streptococcus pneumonia; Haemophilus influenzae).

Xylit: Ein Tausendsassa in der Küche

Gerade zum Kochen und Backen eignet sich Xylit hervorragend. Nicht nur, dass es 1:1 ersetzt werden kann, ebenso karamellisiert es gut und neigt nicht dazu, zu kristallisieren.

Selbst für Hefeteige kann es eingesetzt werden, wobei für die ideale Konsistenz etwas mehr Zeit eingerechnet werden sollte, als das bei Verwendung von klassischem Industriezucker der Fall ist.

Xylit: Risiken und Nebenwirkungen

Gerade der Umstieg von Haushaltszucker zu Xylit kann anfangs Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich verursachen, weswegen Xylit die ersten Tage nur sparsam Einsatz finden sollte.

Grundsätzlich gewöhnt sich der Körper aber rasch um.

Bei der angeborenen hereditären Fruktoseintoleranz kann Xylit verwendet werden, da sich die Fruktoseproblematik hier in der Leber abspielt. Bei der erworbenen intestinalen Fruktosemalabsorption kann Xylit zu Beschwerden führen, da es wie alle Zuckeralkohole im Darm auf demselben Weg verstoffwechselt wird wie Fruktose.

Das langsame Herantasten an Xylit kann die Verträglichkeit dessen erhöhen, da ein Gewöhnungseffekt eintritt.

Vorsicht bei Tieren im Haushalt beziehungsweise Nutztieren: Hunde, aber auch Kaninchen, Ziegen und Rinder können Xylit nicht verstoffwechseln, was zur Folge hat, dass bereits geringe Dosen tödlich wirken können.

Erythrit: Herkunft, Anwendung und Nachteile

Auch der Zuckeralkohol Erythrit wird gerne als Alternative zu Zucker herangezogen.

Zur Herstellung werden Kohlenhydraten (meist Weizen oder Mais) Hefepilze zugesetzt.

Erythrit: gut verträglich in jeder Hinsicht

Erythrit weist sogar im Vergleich zu Xylit weniger Kalorien auf (lediglich 20 kcal pro 100 Gramm). Weiterer Vorteil ist, dass es keinerlei Einfluss auf den Blutzuckerspiegel nimmt (glykämischer Index liegt bei 0). Auch die Verträglichkeit ist besser, da über 90 % des Zuckeralkohols nicht verstoffwechselt, sondern unverändert ausgeschieden werden.[3]

Durch die chemische Einordnung kann auch Erythrit von Kariesbakterien nicht verstoffwechselt werden, was der Zahngesundheit immens entgegen kommt.

Bei bestehender Fructoseintoleranz ist Erythrit als Zuckerersatz Mittel der Wahl, da es keinen Einfluss auf den Glykogenstoffwechsel nimmt. Beschwerden sind hier keine bekannt.

Auch Hundebesitzer können aufatmen: Außer auf Fruchtfliegen wirkt Erythrit auf kein Lebewesen tödlich!

Erythrit: Umrechnung und Schwierigkeiten in der Küche

Im Gegensatz zu Xylit kommt Erythrit nur auf 60-80 Prozent der Süßkraft von klassischem Industriezucker.[4]

Als Ersatzprodukt muss es also entsprechend umgerechnet werden, was durchaus als mühsam empfunden werden kann.

Auch ist Erythrit nicht in allen Bereichen der Küche gut einsetzbar. Dadurch, dass es dazu neigt zu kristallisieren, wird gerade beim Backen manchmal lieber auf Xylit zurückgegriffen. Und zum Einkochen von Marmelade etwa ist Erythrit gänzlich ungeeignet. Darüber hinaus lassen sich größere Mengen des Zuckerersatzes in kalten Getränken nicht gut auflösen.

Xylit und Erythrit: Wer die Wahl hat, hat die Qual?

Und welches ist nun die bessere Alternative zum Industriezucker? Nun, das ist grundsätzlich ganz davon abhängig, in welchen Bereichen das Ersatzprodukt zum Einsatz kommen soll und welche Grundvoraussetzungen beim Konsumenten gegeben sind.

Neigt man zu Magen-Darm-Beschwerden oder leidet an einer Fructoseintoleranz, wird man vermutlich lieber zum besser verträglichen Erythrit greifen.

Auch Hundebesitzer gehen eventuell lieber auf Nummer sicher und ziehen Erythrit vor, da es für den Vierbeiner absolut ungefährlich ist.

Fallen diese Aspekte weg, wählt man vielleicht lieber Xylit, da es sich in Küche besser bewährt und das, ohne bei der Verwendung umrechnen zu müssen.

Grundsätzlich ist man in jedem Fall gut damit beraten, den individuellen Zuckerkonsum kritisch in den Blick zu nehmen, herkömmlichen Zucker (vor allem den versteckten) nach Möglichkeit zu meiden und bei Bedarf auf Zuckeralternativen wie Xylit oder Erythrit zurückzugreifen.

Und selbst diese sollten sparsam zum Einsatz kommen, denn eines trifft auf beide Formen zu: Mit rund 10 Euro pro Kilogramm schlagen sie durchaus zu Buche.


Quellenangaben:

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Verena

Verena beschäftigt sich als Betroffene seit vielen Jahren mit Nahrungsmittelintoleranzen. Begonnen hat bei ihr alles mit einem langwierigen Darminfekt. Daraus resultierten eine Laktoseintoleranz und Fruktosemalaborption. Im Lauf der Jahre kam noch eine Weizenunverträglichkeit hinzu. Durch viele Eigenstudien, der ein oder anderen Hilfestellung und einer konsequenten Ernährungsumstellung kommt sie mit den Unverträglichkeiten inzwischen gut durch ihren Alltag und möchte anderen Betroffenen helfen.

  1. Hallo, bei mir wurde eine angebliche Fructose-Laktose Intoleranz festgestellt. Überzeugt bin ich eigentlich nicht so recht davon, da ich nie Durchfall sondern seit Jahren intensive Verstopfungen habe. Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Habe alles schon ausprobiert. Vielleicht kann mir ja mal jemand seine Erfahrungen mitteilen. Danke

    • Hallo Maria, vielen Dank für Deinen Beitrag. Hast Du schon versucht, Deine Ernährung an die Intoleranzen anzupassen? Ist eine Verbesserung eingetreten? Bei Fruktosemalabsorption und Laktoseintoleranz treten auch Verstopfungen auf, nicht jeder ist vom Typ Durchfall. Wenn Du dennoch das Gefühl hast, dass Intoleranzen nicht Dein Thema sind, dann hab den Mut und forsche weiter. Meistens liegen wir mit unserem Bauchgefühl gar nicht so falsch 🙂 Wurden andere Erkrankungen denn bereits ausgeschlossen? Entzündliche Darmerkrankungen, Schilddrüsenfehlfunktionen, Störungen der Magensäure, Leaky Gut etc. … können ebenfalls Verdauungsbeschwerden hervorrufen.

Lebensmittelunverträglichkeiten