Warum laktosefrei nicht komplett ohne Laktose bedeutet

LaktoseintoleranzLaktoseintoleranten Menschen ist es nicht möglich, Milchzucker im Dünndarm entsprechend aufzuspalten.

Unvollständig verdaut gelangt er in den Dickdarm, wo sich Bakterien an die Zersetzung machen. In Folge entstehen typische Beschwerden wie Völlegefühl, Bauchschmerzen, Blähungen, Krämpfe oder Durchfall.

Wird die Verdachtsdiagnose durch entsprechende Tests bestätigt, muss in einem nächsten Schritt die passende Therapie ins Leben gerufen werden. Diese beinhaltet immer einen mehr oder weniger strikten Verzicht auf laktosehaltige Produkte.

Die persönlichen Toleranzgrenzen, wie viel Laktose letztendlich vertragen wird, sind sehr unterschiedlich.

Laktoseintoleranz hat nicht grundsätzlich den gänzlichen Verzicht auf Laktose zur Folge! Und auch in Bezug auf die Kennzeichnung von Produkten nach der EU-Lebensmittelinformationsverordnung gilt: Laktosefrei bedeutet nicht komplett ohne Laktose!

Laktose in Lebensmitteln: gesetzliche Vorgaben

In Bezug auf Überlegungen zum Laktosegehalt in Lebensmitteln ist es sinnvoll, den Blick auf die EU-Lebensmittelinformationsverordnung zu lenken. Diese ist in ihrer jetzigen Form seit Dezember 2014 in Kraft und schafft verbindliche Standards.

Standards nach der EU-Lebensmittelinformationsverordnung

Durch die EU-Lebensmittelinformationsverordnung ist die Kennzeichnung von Allergenen in frei verkäuflichen Lebensmitteln (dazu zählen auch Getränke) klar definiert.

All jene Zutaten, die Allergien oder Lebensmittelintoleranzen auslösen können, sind deutlich auszuweisen.

Naheliegend, dass dazu auch Milch/Laktose zählt. Insgesamt sind es 14 Hauptallergene, die entsprechend (fett oder unterstrichen) ausgewiesen werden müssen. Ist auf der Verpackung keine Zutatenliste vorhanden, muss dennoch ein Hinweis auf die allergene Zutat angeführt sein.

In Restaurants und Cafés sollten laktoseintolerante Menschen unbedingt auf die Kennzeichnung „G“ achten. Dies ist der Buchstabencode, der deutlich macht, dass betreffendes Produkt Laktose beinhaltet. Die Codierung ist entstanden, um die Kennzeichnung zu vereinfachen.

Mündliche Ausweisung

Nicht immer ist eine schriftliche Ausweisung möglich oder sinnvoll. Häufig ist dies der Fall, wenn Lebensmittel unverpackt verkauft werden (zum Beispiel: Bäckerei, Fleischerei, Eisdiele, Kiosk, Selbstbedienung,…). Die Informationspflicht ist aber natürlich nicht aufgehoben und muss auf Wunsch mündlich erfolgen.

Ein entsprechender Aushang, dass allergene Inhaltsstoffe beim Personal erfragt werden können, muss gut sichtbar vorhanden sein.

Ausnahmeregelung

Eine Ausweisung der allergenen Zutat braucht nicht zu erfolgen, wenn diese aus der Produktbezeichnung deutlich hervorgeht. Milch, Milchshake, Krabbensalat o.ä. wären Beispiele für solche Produktnamen.

Warum laktosefrei nicht komplett ohne Laktose bedeutet

Was bedeutet die EU-Lebensmittelinformationsverordnung nun also in Bezug auf den Umgang mit einer bestehenden Laktoseintoleranz?

Dem Milchzucker auf der Spur

Wie schon erwähnt, muss bei einer Milchzuckerunverträglichkeit der Konsum laktosehaltiger Produkte deutlich eingeschränkt werden. Individuelle Grenzen sind sehr unterschiedlich gelagert. Manche Betroffene reagieren bei kleinsten Mengen Laktose mit deutlichen Anzeichen, andere können durchaus auch etwas mehr Laktose zu sich nehmen, bevor sie Symptome zeigen.

Diese Grenze gilt es herauszufinden. Hier ist es ratsam, eine Zeit lang bestmöglich auf Milchzucker zu verzichten, um anschließend die persönliche Toleranzschwelle auszuloten.

Für dauerhafte Beschwerdefreiheit ist eine deutliche Reduktion von laktosehaltigen Produkten im Speiseplan anzuraten.

Das Tückische an der Sache: Milchzucker ist auch in Produkten enthalten, in denen man ihn nicht grundsätzlich vermutet (zum Beispiel: Wurst oder Fertigprodukte).

Beim Aufspüren von versteckter Laktose profitieren Betroffene demnach deutlich von der gesetzlichen Ausweisungspflicht.

Beim Einkauf gilt es also, die Zutatenliste genau unter die Lupe zu nehmen. Finden sich dort Begriffe wie Laktose, Milchzucker, Milch oder Molkepulver, sollte man hellhörig werden.

Sind Produkte offen lagernd erhältlich (Wursttheke, Bäcker,…), empfiehlt es sich nachzufragen, welche Zutaten verarbeitet wurden. Verpflichtende Schulungen sorgen dafür, dass Fachverkäufer entsprechend der EU-Lebensmittelinformationsverordnung Auskunft geben können.

Laktosefreie Produkte als Alternative

Für all jene, die trotz bestehender Laktoseintoleranz auf milchhaltige Produkte und deren ernährungsrelevanten Eigenschaften (Kalzium!) nicht verzichten möchten, gibt es Alternativen.

Mittlerweile sind laktosefreie Produkte in recht stattlichem Sortiment in Supermärkten und Lebensmittelläden zu finden. Selbst in Cafés und Restaurant ist „laktosefrei“ längst kein Fremdwort mehr.

Was versteht man unter laktosefreien Produkten?

Wesentlich ist, dass es sich bei laktosefreien Milchprodukten NICHT um Milchersatzprodukte handelt, sondern um Milchprodukte, deren Gehalt an Laktose durch spezielle Verfahren entsprechend reduziert wurde.

Somit muss es bei einer Laktoseintoleranz nicht zum gänzlichen Verzicht auf die – sonst verträglichen – Milchprodukte kommen.

Durch spezielle chemische Aufbereitung kann der Laktosegehalt im Produkt entsprechend reduziert werden. In den meisten Fällen kommt es durch Zufügen von Laktase-Enzymen zur Aufspaltung des Milchzuckers in seine beiden Bestandteile: Glukose und Galaktose. Alle weiteren Inhaltsstoffe bleiben in der Regel ebenso erhalten wie der Energiewert.

Zwischen laktosehaltigen und laktosefreien Produkten gibt es einen leichten geschmacklichen Unterschied: Dadurch, dass Laktose nämlich weniger süß als Galaktose und Glukose ist, schmecken laktosefreie Produkte etwas süßlicher als herkömmliche.

Warum auch hier laktosefrei nicht komplett ohne Laktose bedeutet

Auch laktosefreie Produkte sind nicht gänzlich frei von Laktose. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass der Zusatz „laktosefrei“ aber zumindest mit einem Laktosewert von unter 0,1 Gramm pro 100 Gramm oder 100 Milliliter einhergeht.

Eine klare gesetzliche Regelung gibt es jedoch nicht, vielmehr hat sich der Wert im Lebensmittelbereich durchgesetzt.

Dies ist dadurch zu erklären, dass ein Großteil laktosefreier Produkte durch Beimengung chemischer Laktase entsteht. Dazu benötigt es eine Ausnahmeregelung vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Der Erhalt dieser wiederum ist an die Auflage gebunden, dass der Laktosegehalt im Endeffekt unter 0,1 Gramm pro 100 Gramm bzw. 100 Milliliter betragen muss.

Andernfalls darf ein Produkt nicht als „laktosefrei“ bezeichnet werden. Darüber hinaus muss in der Zutatenliste angegeben sein, dass Laktase zum Einsatz gekommen ist.

Fazit

Bei einer Laktoseintoleranz ist eine starke Reduktion von laktosehaltigen Produkten anzuraten, vollständiger Verzicht jedoch meist nicht notwendig.

Je nach individueller Toleranzschwelle werden  gewisse Mengen an Laktose vertragen.

Orientierungshilfe bieten gesetzliche Vorgaben, die eine schriftliche beziehungsweise mündliche Ausweisung von Allergenen in Lebensmitteln vorsehen.

Mittlerweile findet sich auch eine breite Produktpalette laktosefreier Produkte am Markt, die von Betroffenen bedenkenlos konsumiert werden kann. Meist kommen beim Herstellungsprozess Enzyme zum Einsatz (Laktase), die den Milchzucker im Vorfeld spalten. Ein Restgehalt an Laktose ist auch hier zu finden.

Zur Ausweisung des exakten Laktosegehalts gibt es keine gesetzlichen Vorgaben. Festgelegt ist allerdings (allein durch die Auflagen zur Herstellung), dass sich der Laktosegehalt in jedem Fall unter 0,1 Gramm pro 100 Gramm bzw. 100 Milliliter befinden muss.

Facebooktwittergoogle_pluspinterestmail