Laktoseintoleranz-Test: Testverfahren und Ablauf

Artikel aktualisiert am 25.09.2017

Wohl dem, der unangenehme Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall mit dem Genuss von Milchprodukten in Zusammenhang bringt und bei Verzicht auf laktosehaltige Produkte tatsächlich Erleichterung erfährt.

Erhärtet sich der Verdacht einer Laktoseintoleranz, gibt es schließlich verschiedene Wege, die Milchzuckerunverträglichkeit zu diagnostizieren.

Warum braucht es überhaupt einen Laktoseintoleranz-Test?

LaktoseintoleranzDie Antwort ist klar: Hat man die Diagnose Laktoseintoleranz schwarz auf weiß, fällt es deutlich leichter, entsprechende Schritte zu setzen, um mit der Beeinträchtigung im Alltag zurecht zu kommen.

Ernährungsberatung, Ermittlung konkreter Toleranzgrenzen und Einsatz eines Laktase-Präparats in Ausnahmefällen können so entsprechend abgestimmt werden.

Milchprodukte auf Verdacht hin – auch, wenn es noch so deutlich einen Zusammenhang zu geben scheint – vom Speiseplan zu streichen bzw. sie stark einzuschränken, kann durchaus auch ein Schuss in den Ofen sein.

Nämlich spätestens dann, wenn Beschwerdebilder, in welcher Art auch immer, aufrecht bleiben. Die Symptome einer Laktoseintoleranz ähneln immerhin jenen verschiedener anderer Lebensmittelunverträglichkeiten deutlich.

Besser also, die Milchzuckerunverträglichkeit ärztlich zweifelsfrei feststellen zu lassen, wenngleich es auch einen Selbsttest gibt.

Beide Varianten zeigen wir folgend auf.

Laktoseintoleranz-Selbsttest

Dieser Test kann von Laien in den eigenen vier Wänden rasch und unkompliziert durchgeführt werden, ist allerdings aufgrund der recht hohen Fehlerquote als alleiniges Diagnoseinstrument nicht anzuraten. Hinweise auf eine mögliche Laktoseintoleranz gibt er durchaus, jedoch sollte die schlussendliche Bestätigung durch einen Arzt erfolgen.

Eine strikt eingehaltene Karenz, in der auf sämtliche laktosehaltige Produkte verzichtet wird, kann Aufschluss über eine mögliche Intoleranz geben, sofern bisherige Symptome zurückgehen beziehungsweise ausbleiben. Nun kommt in Wasser aufgelöste Laktose ins Spiel.

Unter dem Namen Exposition erhält man Milchzucker in Apotheken und gut sortierten Drogerien (daher wird der Selbsttest auch als „Expositions-Test“ bezeichnet). Kommen nach dem Trinken der Lösung unangenehme Symptome neuerlich zum Vorschein, scheint die Sache klar zu sein.

Zu bedenken ist hier, dass Fehleranfälligkeit dadurch gegeben ist, dass es (vor allem zu Beginn) nicht ganz einfach ist, laktosehaltige Produkte vollständig vom Speiseplan zu streichen. Milchzucker ist nämlich vielen Lebensmitteln zugesetzt, bei denen man es auf den ersten Blick nicht vermuten würde (Wurst, Fertigprodukte,…).

Laktoseintoleranz: ärztliche Testverfahren

Will man ganz sichergehen, lässt man eine mögliche Milchzuckerunverträglichkeit ärztlich befunden. Eine Reihe von Diagnoseverfahren steht hier zur Verfügung. Am bekanntesten ist wohl der Wasserstoffatemtest (H2-Atemtest), aber auch Blutzuckertest oder Dünndarmbiopsie können Klarheit verschaffen. In manchen Fällen kommt gar ein Gentest zur Anwendung.

Wasserstoffatemtest (H2-Atemtest)

Diese Testung gilt als Mittel der Wahl zur Diagnose einer Milchzuckerunverträglichkeit. Bei einer Intoleranz ist das Enzym Laktase im Dünndarm zu spärlich vorhanden beziehungsweise inaktiv, was dazu führt, dass Laktose unzureichend in seine Bestandteile Glukose und Galaktose aufgespalten wird. Stattdessen landet sie unverdaut im Dickdarm.

Hier kommt es zu Zersetzungsprozessen durch Bakterien, bei denen untypisch hohe Mengen Wasserstoff entstehen. Diese landen im Blutkreislauf und werden schließlich über die Atemluft abgegeben.

Eine ungewöhnlich hohe Konzentration Wasserstoff im Atem kann demnach eine Laktoseintoleranz belegen.

Beim etwa zwei bis vier Stunden dauernden Test wird zunächst mit Hilfe eines Messgerätes zum Hineinblasen der Nüchternwert von Wasserstoff in der Atemluft ermittelt. Nach Gabe einer Laktose-Lösung werden in regelmäßigen Abständen weitere Messungen durchgeführt.

Ein entsprechender Anstieg von Wasserstoff (über 20 parts per million auf der Messskala) bestätigt schließlich die Milchzuckerunverträglichkeit. Parallel dazu werden auftretende Symptome beobachtet und notiert.

Durch die Testung ausgelöste Symptome können zwar unangenehm sein, sind allerdings nicht weiter besorgniserregend.

Als Vorbereitung auf/Voraussetzung für den Test ist Folgendes zu beherzigen:

  • Keine Einnahme von Antibiotika und keine Darmspiegelung vier Wochen vor Testung
  • Am Vortag sollte ab den Abendstunden nichts mehr gegessen und nur noch Leitungswasser getrunken werden; blähendes Gemüse, Rohkost und Vollkorn müssen auch davor weggelassen werden
  • Kein Rauchen und Kaugummi kauen etwa zwölf Stunden vor Testung
  • Zur Untersuchung selbst muss man selbstverständlich nüchtern erscheinen

Laktose-Toleranztest

Beim Laktose-Toleranztest macht man es sich zunutze, dass nach Genuss laktosehaltiger Produkte  durch die Spaltung des Milchzuckers üblicherweise der Glukosewert im Blut ansteigt.

Kommt es durch die Unverträglichkeit zu Einbußen in der Spaltung von Laktose in Glukose und Galaktose, erkennt man das im Blut: Der Glukosespiegel steigt nach Genuss von Laktose nicht deutlich an.

Ähnlich wie beim H2-Atemtest, verabreicht man dem Patienten eine laktosehaltige Lösung. Danach wird über zwei Stunden lang in regelmäßigen Abständen Blut entnommen und der Anstieg des Glukose-Wertes beobachtet. Kommt es zu keinem Anstieg über 10 mg/dl, belegt das die Laktoseintoleranz (normalerweise steigt der Spiegel um über 20 mg/dl).

Der Laktose-Toleranztest kann zwar alternativ zum H2-Atemtest angewendet werden, liefert aber im Vergleich ungenauere Ergebnisse. Manchmal werden beide Testarten kombiniert.

Dünndarmbiopsie

Hierzu wird eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm entnommen. Im Labor untersucht man, wie es um den Aktivitätsgrad des Enzyms Laktase bestellt ist.

Zwar ist diese Methode sehr effektiv, weil sie genaue Ergebnisse liefert, genutzt wird sie jedoch kaum, da sie zu invasiv ist. Sinnvoll ist sie natürlich dort, wo es ohnehin zu einer Biopsie kommt. Darüber hinaus wird sie vorwiegend zur Klärung wissenschaftlicher Fragestellungen, weniger zur Diagnose selbst eingesetzt.

Gentest

Den generellen Verdacht einer Laktoseintoleranz durch einen Gentest zu bestätigen, ist nicht unbedingt sinnvoll, da dieser die Milchzuckerunverträglichkeit nur dann belegt, wenn sie genetisch bedingt ist. Angezeigt ist eine genetische Abklärung dort, wo die generelle Laktoseintoleranz bereits befundet ist (zum Beispiel durch einen H2-Atemtest oder Laktose-Toleranztest) und es um eine Abklärung der Ursache geht.

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