Histaminintoleranz-Test: Testverfahren und Ablauf

Das Phänomen der Histaminintoleranz ist medizinisch betrachtet ein relativ junges, weswegen die Forschung zum Teil noch in den Kinderschuhen steckt. Definitiv lässt sich mittlerweile sagen, dass die Symptomatik in einem fehlerhaften Abbauprozess von Histamin im Dünndarm begründet liegt.

Histaminintoleranz

Vorwiegend spielt hier das abbauende Enzym Diaminoxidase (DAO) eine Rolle beziehungsweise dessen Fehlen. Ferner reduziert auch das Enzym Histamin-N-Methyl-Transferase (HNMT) den Histaminspiegel im Körper.

Unangenehme Symptome in relativ großer Bandbreite kennzeichnen eine Histaminintoleranz.

Dass die Beschwerden häufig erst mehrere Stunden nach dem Genuss histaminhaltiger Lebensmittel auftreten und zudem Ähnlichkeiten zur Symptomatik anderer Lebensmittelintoleranzen und -allergien bestehen, erschwert die Diagnosestellung zusätzlich.

Die Diagnosestellung einer Histaminintoleranz ist stets im Zusammenhang mit aktueller Forschung zu sehen. War bis vor einiger Zeit ein spezieller Bluttest noch Mittel der Wahl, rückt man davon aktuell wieder ab. Wieso das so ist und welche Leitlinien zur Diagnosestellung momentan empfohlen werden, damit beschäftigt sich dieser Artikel.

Häufigkeit einer Histaminintoleranz
Die Angaben zur Häufigkeit von Histaminintoleranz variieren. Einige Quellen sprechen von nur 1 % Betroffenheit in der Bevölkerung, andere von 2-3 % und wiederum andere von bis zu 5 %. Dafür verantwortlich sei eine nicht unerhebliche Dunkelziffer, der individuelle Schweregrad, temporäre Erkrankungen und äußere Faktoren, wie die Schweizerische Interessengemeinschaft Histamin-Intoleranz berichtet.

Histaminintoleranz: der richtige Diagnoseweg

Bis vor kurzem war es die Regel, dass zur Diagnose einer Histaminunverträglichkeit Blutwerte, Stuhl oder Harn näher in den Blick genommen wurden.

Rückwirkend lässt sich jedoch feststellen, dass diese Rechnung nicht aufgeht, da auf diesem Weg keinerlei Aussage darüber getroffen werden kann, wie es sich mit der Aktivität der untersuchten Enzyme (DAO, HNMT) im Dünndarm verhält.

Mittlerweile empfehlen Fachorganisationen eine schrittweise Herangehensweise in Bezug auf die Diagnosestellung, die in jedem Fall professionell (Ärzte, Ernährungstherapeuten) begleitet werden muss.

Symptomtagebuch und Differenzialdiagnose

Das A und O zur späteren Diagnosestellung ist das Führen eines Ernährungs-Symptom-Tagebuchs. Über einen vorab definierten Zeitraum (meist mehrere Wochen) wird darin sämtliche Nahrung, die man dem Körper zuführt, ebenso notiert wie darauf folgende Reaktionen.

Darüber hinaus finden auch wertvolle Zusatzinformationen (Wetter, Erkrankungen, Medikamenteneinnahme,…) Platz.

Eine solch akribische Aufzeichnung macht es folgend möglich, Zusammenhänge zwischen bestimmten Nahrungsmitteln oder Getränken (siehe Histamin-Tabelle mit 100 Lebensmitteln) und körperlichen Symptomen herzustellen. Wesentlich ist, dass es während der Zeit, in der das Symptomtagebuch geführt wird, zu keinerlei Einschränkungen in der Ernährung (wie zum Beispiel durch Diäten, Fasten, etc.) kommt.

Gerade beim Verdacht einer Histaminintoleranz macht es außerdem Sinn, dass Frauen die Zeitspanne der Menstruation notieren und dabei auftretende Symptome ebenso gewissenhaft protokollieren.

In Folge können diese Aufzeichnungen bereits beim Anamnesegespräch in der Arztpraxis genutzt werden. Wichtig ist, dass sich der Arzt genügend Zeit nimmt, um den Zusammenhängen zwischen Ernährung und Symptomen auf die Schliche zu kommen.

Mit Hilfe einer Differenzialdiagnose (Ausschluss anderer Erkrankungen, die ursächlich sein könnten, wie beispielsweise chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder diverse Lebensmittelintoleranzen sowie -allergien) kann die Verdachtsdiagnose Histaminintoleranz schließlich gestellt werden.

Eliminationsdiät sowie optionaler Provokationstest

Ist die Verdachtsdiagnose Histaminunverträglichkeit gestellt, muss in einem zweiten Schritt eine sogenannte Eliminationsdiät erfolgen. Durch diese lässt sich die vermutete Diagnose erhärten.

Während dieser etwa zwei bis vier Wochen andauernden Phase ist die Ernährung durch strikte Karenz geprägt. Nicht nur auf histaminhaltige Lebensmittel und Getränke muss verzichtet werden, ebenso werden DAO-hemmende Medikamente und Antihistaminika ausgesetzt.

Da in dieser Phase sehr viel ernährungsspezifisches Wissen benötigt wird, ist es empfehlenswert, die Eliminationsdiät therapeutisch begleiten zu lassen.

Gehen während der Karenzphase die körperlichen Symptome deutlich zurück, gilt der Verdacht der Histaminunverträglichkeit quasi als bestätigt.

Optional kann ein Provokationstest durchgeführt werden. Dieser sollte ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, da die Wahrscheinlichkeit einer starken Symptomatik hoch ist. Bei dieser Testung wird dem Körper kontrolliert Histamin zugeführt und seine Reaktion beobachtet. So kann die Diagnose bekräftigt werden.

Histaminintoleranz: veraltete Diagnosewege

Diagnosestellung aufgrund von Histaminwerten in Stuhl oder Urin zählt schon längere Zeit zu den veralteten Methoden.

So gibt gerade der Histamingehalt im Stuhl lediglich an, wie viel des Botenstoffes abgebaut wurde und lässt keinerlei Rückschlüsse auf die Abbauprozesse selbst zu.

Bis vor kurzem galt eine Blutuntersuchung als Mittel der Wahl, um einer vermuteten Histaminintoleranz auf die Spur zu kommen. Der Histamingehalt wurde dabei ebenso untersucht wie die Aktivität von Histamin im Blut. Mittlerweile weiß man, dass sich solche Werte leider nicht 1:1 umlegen lassen.

Die Aktivität von Histamin im Blut lässt nämlich keinen haltbaren Rückschluss über die Aktivität von Histamin im Darm zu.

Nun könnte man natürlich die Abbauprozesse von Histamin im Dünndarm selbst genauer unter die Lupe nehmen, indem man die Konzentration des Enzyms DAO ermittelt. Diese Vorgehensweise liefert zwar tatsächlich brauchbare Daten, jedoch ist dazu eine Dünndarmbiopsie notwendig.

Allein aus diesem Grund kommt sie im generellen Diagnoseprozess nicht zur Anwendung. Etwas anderes ist es, wenn sowieso eine Biopsie durchgeführt werden muss. Dann kann in diesem Zusammenhang das Dünndarmgewebe entsprechend untersucht und die Werte können zur Diagnosestellung herangezogen werden.

Diagnosestellung bei Histaminunverträglichkeit: keinesfalls in Eigenregie

An dieser Stelle muss betont werden, dass die Diagnosefindung in Bezug auf sämtliche Intoleranzen stets ärztlich und ernährungstherapeutisch begleitet werden sollte.

Im Zusammenhang mit Histaminintoleranz ist Vorsicht bei sogenannten Selbsttests (Haaranalyse, Speicheltest, Blutheimtest o.ä.) geboten, die gerne online angeboten werden.

Nicht nur, dass sie keine gesicherte Diagnose liefern, in den meisten Fällen liegen ihnen nicht einmal entsprechende Studien oder Evaluationen zugrunde. Dadurch begeben sich Betroffene leicht in eine medizinisch bedenkliche Situationen.

Facebooktwittergoogle_pluspinterestmail