Zöliakie, Glutensensitivität oder Weizenallergie?

Gluten – gefährlich und ungesund?Gerade in den letzten Jahrzehnten haben Lebensmittelallergien und -intoleranzen in unseren Breitengraden stetig zugenommen. Als einer der Gründe hierfür kann angeführt werden, dass die Forschung voranschreitet und Diagnosemöglichkeiten zunehmen.

Viele unangenehme Reaktionen auf Nahrungsmittel haben plötzlich einen Namen!

Ein Inhaltsstoff, der seit einiger Zeit durch Medien und Forschung geistert, ist Gluten. Die Beschreibungen der damit verbundenen Krankheitsbilder sind relativ jung und es gibt hier viel Verwechslungspotential und Unsicherheit.

Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, möchten wir in folgendem Artikel näher auf Zöliakie, Glutensensitivität und Weizenallergie eingehen.

Was ist Gluten und wo findet es sich?

Gluten, auch als Klebereiweiß bezeichnet, ist ein Stoffgemisch aus Proteinen. Als solches ist es in vielen gängigen Getreidearten zu finden. Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste, Hafer oder Grünkern, sie alle enthalten Gluten.

Grundsätzlich weist Klebereiweiß Eigenschaften auf, die in der Nahrungsmittelindustrie hervorragend genutzt werden können. So eignet es sich gut als Bindemittel (das macht Getreidemehl in Verbindung mit Wasser gut formbar) und auch als Aromastoff kommt es gerne zum Einsatz.

Somit ist Gluten nicht nur in Getreideprodukten und Backwaren zu finden, auch Fertigprodukte, Konserven, Tiefkühlgerichte, Fleisch- und Wurstwaren sowie Gewürzmischungen sind häufig glutenhaltig.

Wir haben zur Übersicht ein PDF-Dokument zum kostenlosen Download erstellt, das glutenfreie und glutenhaltige Lebensmittel beinhaltet.

Körperliche Reaktion auf Gluten: unterschiedliche Krankheitsbilder sind ursächlich

Wenn der Körper auf Gluten in unangenehmer Art und Weise reagiert, kann das unterschiedliche Ursachen haben.

In diesem Zusammenhang tauchen Begriffe wie Zöliakie, Glutensensitivität oder Weizenallergie auf. Da sich Symptome ähneln, kommt es nicht selten zu Verwechslungen und Vermischungen dieser Erkrankungen. Dabei sind die Krankheitsbilder deutlich voneinander abzugrenzen und auch in Diagnose und Therapie unterscheiden sie sich.

Eines haben sie jedoch gemeinsam: Der Genuss von bestimmtem Getreide ist meist mit unangenehmen Begleiterscheinungen verbunden. 

Was versteht man unter Zöliakie?

Bei Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit verursacht der Genuss von Gluten eine Schädigung der Dünndarmschleimhaut sowie einen Rückgang der Darmzotten. Eine Vielzahl von Symptomen ist die Folge und nicht immer können diese leicht gedeutet werden, da sie häufig unspezifisch auftreten.

Anzeichen sind unterschiedliche Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, Schwindel, Kopfschmerzen, Knochenschmerzen, Erschöpfung, erhöhte Infektanfälligkeit oder Nährstoffmangel.

Bei vollständigem Verzicht auf Klebereiweiß, geht die Symptomatik im Normalfall zurück, der Darm regeneriert sich und eine unbeschwerte Lebensweise ist wieder möglich. Naheliegend, dass die Therapie der Zöliakie auf einem Meiden glutenhaltiger Lebensmittel fußt.

Weltweit schätzt man die Anzahl der Betroffenen auf etwa 1 %, wobei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. Belegt ist, dass statistisch gesehen mehr Frauen an einer Glutenunverträglichkeit leiden als Männer. Grundsätzlich kann Zöliakie in jedem Lebensalter auftreten, es lässt sich jedoch eine Häufung in den ersten Lebensjahren erkennen und dann wieder zwischen dem 25. und 40.Lebensjahr.

Was versteht man unter Glutensensitivität?

Glutensensitivität tritt weitaus häufiger auf als Zöliakie. Forschungen gehen von etwa 6-10 % der Weltbevölkerung aus. Die Aufnahme von Gluten führt hier ebenfalls zu unterschiedlich stark ausgeprägten Symptomen, es kommt jedoch nicht zu chronischen Veränderungen im Darmbereich.

Nachdem also keine Folgeschädigung zu erwarten ist, zielt die Therapie nicht auf vollständigen Verzicht von glutenhaltigen Nahrungsmitteln ab, sondern auf die Einschränkung dieser.

Was versteht man unter Weizenallergie?

Bei einer Weizenallergie handelt es sich um eine klassische Allergie. Das heißt, der Genuss von weizenhaltigen Produkten führt unmittelbar zu einer mehr oder minder ausgeprägten allergischen Reaktion. D

iese bezieht sich auf den Magen-Darm-Trakt (Erbrechen, Durchfall,…), das Atemsystem (Husten, Schnupfen, Atemnot,…), die Haut oder das Herz-Kreislauf-System und kann bis zum anaphylaktischen Schock führen.

Eine Weizenallergie kommt bei Erwachsenen sehr selten vor (etwa 0,1 % der Bevölkerung), bei Kindern etwas häufiger. Glutenhaltige Produkte abseits von Weizen werden in der Regel ganz gut vertragen. Die Therapie bezieht sich grundsätzlich auf die Vermeidung des Allergens beziehungsweise kann auch eine Desensibilisierung überlegt werden.

Zöliakie, Glutensensitivität oder Weizenallergie: die Diagnose

Jedes der drei Krankheitsbilder wird spezifisch diagnostiziert. So steht bei einer Weizenallergie der gängige Antikörpertest zur Verfügung. Im Labor wird das Blut auf die entsprechenden lgE-Werte untersucht. Selbstverständlich ist die Weizenallergie von einer Pollenallergie zu unterscheiden, die ebenso Weizen mit einschließen kann.

Demgegenüber diagnostizieren Fachleute eine Zöliakie durch die Untersuchung des Blutes auf für eine Glutenunverträglichkeit spezifische Antikörper. Ist das Ergebnis positiv, wird in weiterer Folge eine Gastroskopie inklusive Dünndarmbiopsie durchgeführt, um den Darm und seine Zellen auf entzündliche Prozesse hin zu untersuchen.

Die Diagnose einer Glutensensitivität wird gemeinhin dadurch gestellt, dass Zöliakie und Weizenallergie ausgeschlossen werden können, trotzdem der Patient auf Gluten reagiert. Bei Einschränkung von glutenhaltigen Produkten kommt es zu einer Besserung der Symptomatik.

Glutenfreie Ernährung als gängige Therapieform

Reagiert der Körper auf Gluten, muss in der Dauertherapie auf das Klebereiweiß verzichtet beziehungsweise dieses eingeschränkt werden.

Bei einer Weizenallergie ist das Allergen strikt zu meiden, jedoch können glutenhaltige Produkte, die nicht auf Weizen basieren, ganz gut vertragen werden.

Zöliakie wird gemeinhin durch eine glutenfreie Ernährung therapiert. Dadurch normalisieren sich entzündliche Veränderungen der Darmschleimhaut wieder und Symptome gehen zurück. Demgegenüber reicht bei einer Glutensensitivität oft schon ein mehr oder weniger starkes Einschränken von glutenhaltigen Produkten.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass eine glutenfreie Ernährung recht einfach zu bewerkstelligen ist. Viele Grundnahrungsmittel beinhalten in ihrer Reinform kein Klebereiweiß und im Hinblick auf Getreidearten gibt es eine Vielzahl an glutenfreien Alternativen.

Glutenfreie Nahrungsmittel im Überblick:

  • Alternative Getreidearten: Buchweizen, Hirse, Amaranth, Maisgries, Reismehl, Johannisbrotmehl, Traubenkernmehl, Quinoa,…
  • Milch- und Milchprodukte in Reinform
  • Fleisch/Fisch/Meeresfrüchte in Reinform (Vorsicht bei Fertigprodukten, Wurstwaren und Konserven)
  • Frisches Obst und Gemüse sowie Tiefkühl- und Konservenprodukte ohne Zusätze
  • Reiner Zucker (weißer sowie brauner Zucker, Dextrose, Gelierzucker, Fruchtzucker, Traubenzucker,…)
  • Nüsse und Hülsenfrüchte, sofern sie nicht verarbeitet sind
  • Pflanzenfette und -öle
  • Salze, Gewürze und Kräuter in Reinform (Vorsicht bei Mischungen)
  • die meisten Getränke (Mineralwasser, reine Fruchtsäfte, Bohnenkaffee, reiner Kakao, Sojamilch, reiner Tee,…)
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