Milchzuckerunverträglichkeit
Wie
äußert sich eine
Ist
es Ihnen auch schon öfter so gegangen: Sie trinken ein Glas Milch oder Kakao,
essen einen Joghurt oder ein Eis und nach kurzer Zeit werden Sie von heftigen
Beschwerden geplagt. Sie haben Völlegefühl und
Blähungen,
der Leib ist aufgetrieben, mitunter kann es zu krampfartigen Schmerzen des
Bauches kommen und eventuell müssen Sie dünne Stühle entleeren. Nach einigen
Stunden setzt dann langsam eine Erleichterung ein. Da diese Beschwerden fast
immer nach dem Genuss von Milchprodukten auftreten, haben Sie schon an eine
Milcheiweißallergie gedacht und sich darauf untersuchen lassen. Der Befund war
allerdings negativ. Übrigens vertragen Sie Hartkäse recht gut, der bei einer
Milcheiweißallergie ebenfalls meist zu Beschwerden führt. Wenn diese
Schilderung auf Sie zutrifft, dann haben Sie wahrscheinlich eine
Milchzuckerunverträglichkeit.
Was
ist eine Milchzuckerunverträglichkeit?
In
unserer Darmschleimhaut haben wir ein Enzym namens Laktase. Dieses spaltet die
mit der Nahrung aufgenommene Laktose (Milchzucker), so dass sie aufgenommen und
im Körper verwertet werden kann. Fehlt dieses Enzym oder wird es zu wenig
gebildet, dann können nur sehr geringe Mengen Laktose toleriert werden. Man
spricht daher von einer Milchzuckerunverträglichkeit. Es handelt sich dabei nicht um eine
Allergie. Dies ist
sehr wichtig. Bei einer
Allergie können nämlich manchmal geringste Spuren
eines Allergens zu einer bedenklichen, im Extremfall sogar lebensbedrohlichen
allergischen Reaktion führen. Bei der
Milchzuckerunverträglichkeit ist
dies anders. Hier werden – abhängig von der Ausprägung der
Milchzuckerunverträglichkeit
– mitunter noch bedeutsame Mengen gut vertragen. Erst wenn eine bestimmte
Schwelle, die individuell sehr unterschiedlich ist, überschritten wird, treten
die oben erwähnten Symptome auf. Während der Erwachsene ohne
Milchzuckerunverträglichkeit
30 g oder mehr gut vertragen kann, führt diese Menge bei der
Milchzuckerunverträglichkeit zu besagter Symptomatik. Die Schwelle kann bei 10 g liegen oder auch schon bei 5
g. Sehr Empfindliche bemerken bereits bei einer Menge von 1 g oder weniger
deutliche Beschwerden. Nach der Ausprägung der Milchzuckerunverträglichkeit muss sich dann
auch die Strenge der diätetischen Maßnahmen richten.
Was
sind die Ursachen der Milchzuckerunverträglichkeit?
Es
gibt einen seltenen primären, angeborenen Laktasemangel. Hier kommt es bereits
im Säuglingsalter zu
Durchfällen nach Genuss von Muttermilch. Fast immer liegt
jedoch ein erworbener Laktasemangel vor, d.h. im Kindesalter wurde Laktose noch
gut vertragen, später dann immer weniger. Werden auch Getreideprodukte nicht
vertragen, so ist differentialdiagnostisch an ein Vorliegen der einheimischen
Es
hilft dem von Milchzuckerunverträglichkeit Betroffenen zwar nicht unmittelbar weiter, mag
aber etwas tröstlich sein: Sie sind nicht allein! Mehr als 80 % aller
erwachsenen Weltenbürger haben eine Milchzuckerunverträglichkeit. Es ist für die
biologische Spezies Mensch also eigentlich vollkommen normal, im
Erwachsenenalter eine Milchzuckerunverträglichkeit zu bekommen. Nur in der weißen Rasse
hat sich eine „Mutation“ von Menschen in der Evolutionsgeschichte
durchsetzen können, die auch als Erwachsene noch Laktose vertragen. Biologisch
macht es durchaus Sinn, eine Milchzuckerunverträglichkeit zu erwerben. Säugetiere – und
hierzu gehört der Mensch aus Sicht der Biologie nun einmal – trinken als Säuglinge
und nur als Säuglinge Milch, und zwar die ihrer Mutter. Die Fähigkeit, auch
als Erwachsene Milch trinken zu können, stellt üblicherweise im Tierreich
keinen Selektionsvorteil dar und geht daher mit zunehmendem Alter verloren. Lediglich in der weißen Rasse hat sich der Verzehr von Milchprodukten in den letzten, sagen wir einmal 1000 Generationen eingebürgert und begünstigt daher diejenigen, die auch als Erwachsene noch Laktose verdauen können. Aber selbst in der weißen Rasse gibt es schätzungsweise 14 % - also jeder Siebte -, die eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Milchzuckerunverträglichkeit besitzen. Geringe Ausprägungen werden zeitlebens meistens nicht bemerkt. Hier würden nur Provokationen mit großen Mengen (30 g oder mehr) zu Beschwerden führen. Eine Milchzuckerunverträglichkeit mit einer Intoleranzschwelle bei 1 bis 10 g Laktose macht sich in der Regel auch im Alltag bemerkbar.
Wichtig
ist: Denken Sie daran, dass bei entsprechenden Beschwerden eine
Milchzuckerunverträglichkeit
die Ursache sein könnte!
Wie
wird die Milchzuckerunverträglichkeit diagnostiziert?
Wenn
aufgrund der klinischen Symptomatik ein begründeter Verdacht besteht, so kann
der Arzt einen Milchzuckerunverträglichkeit-Test veranlassen. Dabei handelt es sich um
einen Provokationstest, bei dem morgens anstelle des Frühstückes eine größere
Menge Laktose (30g oder mehr) in einem Glas Wasser verabreicht wird. Dann wird
stündlich der Blutzucker gemessen. Normalerweise kommt es nach der
Laktosezufuhr zu einem Anstieg des Blutzuckers. Ist dies jedoch nicht in
ausreichendem Maße der Fall, so besteht der Verdacht auf eine
Milchzuckerunverträglichkeit. Dieser Verdacht wird erhärtet, wenn nach der Laktose die
bekannten Symptome (z.B.
Etwas
aufwändiger, aber noch genauer ist der Wasserstoffatemtest, der heute als
Goldstandard in der Diagnostik der Milchzuckerunverträglichkeit gilt. Die Vorbereitung ist
mit der des Bluttestes identisch bis auf den Umstand, dass Sie keinen
Blutstropfen opfern müssen, sondern stündlich eine Atemprobe abgeben müssen.
Diese Atemprobe wird auf die Konzentration an Wasserstoff überprüft.
Normalerweise wird die Laktose bereits in den oberen Darmabschnitten vom Darm
aufgenommen. Bei einer Milchzuckerunverträglichkeit ist dies natürlich nicht der Fall. Die
Laktose gelangt in tiefere Darmabschnitte, wo sie von bestimmten Bakterien
verstoffwechselt wird. Diese produzieren dabei – quasi als Abgase –
Wasserstoff. Der Wasserstoff wird von der Darmschleimhaut aufgenommen und
verteilt sich im Körper. Ein Teil davon wird in der Lunge ausgeatmet und kann
gemessen werden. Wenn eine bestimmte Wasserstoffschwelle in der Atemluft überschritten
wird, gilt die Milchzuckerunverträglichkeit als gesichert.
Wie
wird die Milchzuckerunverträglichkeit behandelt?
Da
die fehlende Laktase die Ursache der Milchzuckerunverträglichkeit ist, könnten Patienten
mit Laktase zu jeder Mahlzeit erfolgreich therapiert werden. Mittlerweile gibt
es auch Laktase in Apotheken oder Reformhäusern zu kaufen. Jedem Patienten mit
Milchzuckerunverträglichkeit
ist anzuraten, sich Laktase zu besorgen und damit eigene
Versuche durchzuführen. Wieviel Laktase benötige ich, um welche Menge an
Laktose oder laktosehaltigen Lebensmitteln gut zu vertragen? Eine Dauertherapie
sollte dann – schon wegen der relativ hohen Kosten – jedoch nicht mit der
Laktase praktiziert werden. Im „Notfall“ – etwa bei einer Einladung zum
Essen – kann es durchaus hilfreich sein, Laktase einzunehmen, um
beispielsweise die Eiscreme zum Nachtisch nicht ablehnen zu müssen. Grundlage
der Therapie bei Milchzuckerunverträglichkeit ist jedoch der weitgehende Verzicht auf
Laktose. Bei einer sehr stark ausgeprägten Milchzuckerunverträglichkeit sollten Sie sich
praktisch laktosefrei (maximale Zufuhr 1g Laktose täglich) ernähren. Bei etwas
geringerer Ausprägung der Milchzuckerunverträglichkeit reicht eine laktosearme Kost
(maximal 5-10 g Laktose täglich) aus. Die individuelle Schwelle muss
ausgetestet werden.
Was
darf ich bei Milchzuckerunverträglichkeit denn überhaupt noch essen und was nicht?
Generell
gilt:
Hier
eine Liste mit dem Laktosegehalt wichtiger Milchprodukte (g/100 g):
Welche
Medikamente darf ich bei Milchzuckerunverträglichkeit nicht einnehmen?
Einige
Medikamente sind sehr laktosereich. Dabei handelt es sich um Mikrobiologische Präparate
mit Milchsäurebakterien (Bifido-, Laktobazillen). Diese verwerten Laktose als
ihre natürliche Nahrung, weshalb die Kombination prinzipiell Sinn macht. Für
Patienten mit Milchzuckerunverträglichkeit sind solche Präparate natürlich
kontraindiziert. Mittlerweile gibt es aber auch Präparate ohne Milchzucker.
Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
Es
gibt auch Mineralpräparate auf Milchzuckerbasis (z.B. Basica). Diese Präparate
sind bei Milchzuckerunverträglichkeit ebenfalls nicht angezeigt.
Homöopathische
Tabletten bestehen zu fast 100 % aus Laktose (plus
homöopathische Spuren des
eigentlichen Arzneimittels). Wenn Sie vier übliche
homöopathische
Tabletten
einnehmen, dann haben Sie bereits ein Gramm Laktose zugeführt. Bei einem auf
Laktose sehr empfindlichen Menschen kann dies schon ausreichen, um Beschwerden
zu erzeugen. Manchmal werden auch größere Mengen an
homöopathischen oder Schüßler-Salz-Tabletten
verordnet (z.B. stündlich 1 oder 3x4 am Tag). Dabei kommen dann Laktosemengen
zusammen, die bei Milchzuckerunverträglichkeit problematisch sein können. Treten hierunter
Beschwerden auf, die nicht als
homöopathische Erstreaktion, sondern als
Milchzuckerunverträglichkeit
gedeutet werden, müssten Sie anstelle der
homöopathischen
Tabletten Tropfen oder Globuli (Kügelchen aus Traubenzucker) nehmen.
In
der Arzneimittelbeschreibung zahlreicher Medikamente steht bei den Hilfsstoffen
u.a. oft die Laktose aufgeführt. Patienten mit Milchzuckerunverträglichkeit geraten dann
manchmal geradezu in Panik und meinen, dieses Medikament auf keinen Fall nehmen
zu dürfen, weil sie doch eine Milchzuckerunverträglichkeit haben. Noch einmal der Hinweis:
Milchzuckerunverträglichkeit ist keine
Allergie! Kleine Mengen werden auch von sehr
empfindlichen Menschen in aller Regel toleriert. Und die Mengen im Überzug
einer Tablette bewegen sich meist im Milligramm-Bereich. Lediglich wenn Sie
wiederholt bei einem Test mit einem solchen laktosehaltigen Medikament ihre
typischen Beschwerden entwickeln, sollte zusammen mit dem Arzt oder Apotheker
nach einer laktosefreien Alternative gesucht werden.
Bekomme
ich bei Milchzuckerunverträglichkeit nicht sicher eine
Osteoporose?
Milchzuckerunverträglichkeit
= weitgehende Ernährung ohne Milchprodukte = sichere Entwicklung einer
Osteoporose
wegen Kalziummangel! Diese Gleichung ist genauso nahe liegend wie
falsch. Bedenken Sie bitte die oben aufgeführten Zahlen: 80 % der Weltbevölkerung
vertragen keine Milchprodukte. Vergleichende statistische Erhebungen konnten
jedoch keine Häufung von Frakturen in den Bevölkerungen ohne Milchwirtschaft
feststellen. Erstaunlicherweise ist hier die Rate an Frakturen bei älteren
Menschen sogar geringer. Natürlich spielen andere Faktoren (z.B. Bewegung,
Sonneneinstrahlung) eine wichtige Rolle, aber die Aussage: „Milchfreie Kost führt
unweigerlich zu
Osteoporose!“ ist in dieser Form sicher falsch. Umgekehrt kann
man nun auch nicht behaupten, Milch führt zu Osteoporose, aber die Bedeutung
der Milchzufuhr in der
Osteoporosevorbeugung wird meines Erachtens weit überschätzt.
Die
Kalziumzufuhr kann auch bei Milchzuckerunverträglichkeit leicht gesichert werden. Wussten
Sie, dass praktisch alle Gemüsesorten kalziumreicher als Vollmilch sind? Zwar
ist Milch kalziumreicher, wenn man den Gehalt pro 100 g berücksichtigt, wird
aber der Gehalt pro 1000 kcal berechnet, dann liegt das Gemüse vorn. Nüsse und
Samen sowie Sojaprodukte sind ebenfalls sehr kalziumreich. Und auch Mineralwässer,
wenn sie mehr als 250 mg/l enthalten können viel zur Deckung des
Kalziumgehaltes beitragen. Schauen Sie bitte auf das Etikett und wählen sie ein
solch kalziumreiches Wasser, wenn Sie wegen einer Milchzuckerunverträglichkeit auf
Milchprodukte verzichten müssen. Die Behauptungen, Kalzium aus Mineralwasser würde
nicht so gut aufgenommen oder sich in den Gefäßen ablagern, dürfen
mittlerweile als Ammenmärchen gelten.
Sie
sehen: Auch mit einer Milchzuckerunverträglichkeit lässt es sich leben. Wichtig ist doch:
Wenn die Milchzuckerunverträglichkeit als Ursache
von Blähungen, Durchfall und
sonstigen
Literaturempfehlung: Hof, Christiane: Köstlich kochen ohne Milchzucker Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten stehe ich Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in der naturkundlichen Privatambulanz.
Alle oben erwähnten Laboruntersuchungen können in der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik oder der Naturheilkundlichen Privatambulanz durchgeführt werden.
Informationen über das Therapieangebot der Inneren Abteilung:
Sagen Sie uns ruhig
mal Ihre Meinung!
Weitere Informationen zu Krankheiten finden Sie bei der Wicker-Gruppe unter www.informationen-zu-krankheiten.de. Info-Material zur Klinik anfordern: www.wicker-gruppe.de/infomaterial-anfordern.html Die
Klinik ist nach den Qualitätsgrundsätzen der DIN-EN ISO 9001zertifiziert. Unsere Klinik ist von allen gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland nach § 111 als Rehabilitationsklinik anerkannt. Wir sind außerdem von allen privaten Krankenkassen als gemischte Anstalt anerkannt. Die Kostenübernahme muss aber zuvor bei dem jeweiligen Kostenträger beantragt werden. Bei Rückfragen bezügl. der Kostenübernahme können Sie sich gerne an unseren Verwaltungsleiter, Herrn Schenk, wenden (Servicetel.: 0800 / 8 90 11 00, Tel.: 0561-3108-621, E-Mail) Weitere Fragen?
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